Ungläubig

Nein ich will jetzt nicht über die Ausübung einer Religion sprechen. Religion ist etwas ganz Persönliches und sollte jedem selbst überlassen werden. Keiner hat das Recht anderen vorzuschreiben, was die wahre Religion ist.

Ungläubig schau ich mir die Fotos in den Bilderportalen an. Egal wie sie sich nennen 500px, YouPic. FC, MK, Instagram und wie sich das Zeug noch so nennt. Und stelle mit persönlichem Entsetzen fest. Der Himmel wird blauer, dramatischer, schimmert in allen Farben. Jedes Meer, jeder See und jeder Bach hat kristallklares Wasser in schönsten türkis. Blumen erstrahlen in satten Farben das es einem schon fast im Auge schmerzt. Das Grün der Wiesen und Felder ist so grün, wie es manch Bündnis Grüner niemals sein wird. Gepaart mit einer Schärfe, wo selbst der indische Koch vor Neid erblassen wird.

Kein Bild, oder sagen wir nur verschwindend wenige, welches nicht durch zig Filter aufgepimpt wird. Bilderflut im schönster Postkartenidylle. Unnatürlich in HDR abgelichtet. Natürliche Schönheit durch Filter verfälscht.

Vor Jahren zeigte jemand eine Bilderserie aus der Wüste von Namibia. Fashionbilder für ein Magazin. Ab diesen Moment hab ich beschlossen niemals in die Wüste von Namibia zu reisen. Die Farbe des Sandes sah aus wie Kupferstaub und der wird niemals gesund sein. Die Bilder wurden von den Jüngern des Fotobearbeiters gefeiert. Er wurde in den Himmel gelobt. Selbst als er die Making Off Videos gezeigt hatte. Die Realität hatte wenig mit den Bildern zu tun.

Schauen wir uns die Models an. Faltenfrei ohne einen Makel kommen sie auf den Bildern daher. Retusche bist zum Idealzustand. Glatt rasiert und aufpoliert. Strahlende Zähne die man Nachts als Begrenzungspfosten an jeder Landstraße nutzen könnte. Mit einer Haut bei der jedes Sandpapier neidisch wird. Die Poren im Reih und Glied. Besser ausgerichtet als die Soldaten der Militärparaden in Nordkorea. Bilder die man besser gemalt hätte. In der Wirklichkeit läuft man an dem Model vorbei. Schein statt sein.

Selbst in der Streetfotografie, auf Deutsch Straßenfotografie, merkt man einen Trend. Der Stück für Stück die Wirklichkeit verdrängt. Immer nur schöne Bilder. Bilder welche nur die schöne heile Welt zeigen. Nicht die harte und unglaublich triste Wirklichkeit.

Ja das Elend, welches immer mehr wird, das mag keiner sehen. Das will man nicht sehen. Das muss ausgegrenzt werden. Aus dem Blickfeld aus den sozialen Medien. Gelobt wird nur noch die unnatürliche Fantasiewelt auf Postkartenformat.

Doch immer öfter frag ich mich. Ist es nicht auch die Aufgabe der Fotografen und Bildermacher, das im Bild zu zeigen was nicht schön ist? Das Abbild der Gesellschaft zu zeigen. Ungeschönt, ungeschminkt? Ist es nicht die Aufgabe mit Bildern auch der Nachwelt zu zeigen wie es wirklich war? Wie es wirklich ist? Zu zeigen das Lena Schuster, ich hoffe die Dame gibt es nicht wirklich, von nebenan. Trotz der Falten, trotz der Pickel, trotz der nicht vorhandenen Konfektionsgröße 36/38, ein schönes Gesicht und Ausstrahlung hat. Zu zeigen, dass ein Mensch mit 40+ Lebensjahren mehr Mimik im Gesicht hat, also die 18-jährige.

Die moderne digitale Fotografie hat bald nur noch etwas mit dem Tagtraum der Bildermacher und Fotografen zu tun. Filter, Filter und noch ein Filter werden Standard ist Standard. Retusche bis zu Unkenntlichkeit das Markenzeichen der modernen digitalen Fotografie. Ist das noch Fotokunst oder Bearbeitungskunst?

Ich hatte mich die letzten Tage mit einem Studium der Fotografie beschäftigt. Die Grunde warum ich es nicht mache, hab ich gestern schon geschrieben. Ein weiterer Grund der mir erst gerade so richtig bewusst geworden ist. Ein Schulungspunkt Porträtfotografie direkt im Anschluss die Schulung Retusche in der Porträtfotografie. ???  Lernt man das Fotografieren nicht, sondern nur noch die elektronische Beseitigung der Fehler?

Richtig. Retusche hat es immer schon gegeben. In der analogen Technik ist es nur um ein vielfach aufwendiger. Da gibt es keine Presets und Filterchen, da ist es noch echte Handarbeit, mit Skalpell und Pinsel. Im digitalen verlernt der fotografierende Mensch die Fotografie. Zu schnell der Gedanke an Photoshop und Co.

Kann man mit unretouchierten Bilder in nicht HDR noch Fotokunst produzieren und gar zeigen?  Von Erfolg wollen wir dabei gar nicht reden.

Ich glaub man schafft es, nur der Like Erfolg wird sich kaum einstellen. Sind die Leute doch von überscharfen, übersättigten Bilder verwöhnt. Die kaum mehr an der Realität entsprechen.

Für mich hab ich den weg gefunden. Weg von der aufwendigen Bildbearbeitung, hin zu Bilder die mehr fotografisch sind. Weg von Hochglanz und Scheinwelt. Hin zu der Realität.


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