Was

Was willst du mit deiner Fotografie erreichen? Diese Frage stellte mir vor ein paar Tagen ein guter Freund. Und ich schwieg. Schwieg in Gedanken versunken.

So sehr ich auch darüber nachdachte. Ich fand keine Lösung die nur ansatzweise der vollen Wahrheit entspricht. Irgendwie tauchte immer ein Punkt auf, den man öffentlich kaum zugeben mag. Um den auch ich herumschleiche wie die Katze um den Brei.

Was möchte man als Fotomacher mit seinen Bildern erreichen? Besonders dann wenn man sich im Netz der Netze präsentiert. Die wenigsten Menschen machen Bilder nur um des Bildes wegen. Zeigen die Bilder niemals, lassen sie in Fotobüchern, Fotoalben und Festplatten verschwinden. Das war früher vielleicht einmal so. Wo Fotos in große Schachteln und Kisten aufbewahrt wurden. Um sie irgendwann einmal im Kreise der Familie zu betrachten.

Wir hatten auch eine solche Kiste. Ich erinnere mich sehr gerne daran. Ich glaube es war eine übergroße Blechkeksdose mit Klappdeckel, die voll mit schwarzweiß Bildern war. Unsortiert. Mit Bilder der ganzen Familie und alles was dazu gehörte. Kleine Bilder, große Bilder. Oma in jungen Jahren, Mama als Kind und Erwachsene Frau. Auch Bilder von Papa waren dabei. Zahlreiche Bilder von Tanten und Onkels, von Familienfesten und Bilder die Zeitgeschichte geschrieben hätten. Klein waren die Bilder in der Kiste, oft mit gezackten Rändern, meist immer schwarzweiß. Ganz selten in blassen Farben.

Ich kann mich gut erinnern, wie ich im Wohnzimmer auf dem Boden gehockt habe. Um Bild für Bild aus der Kiste zu holen. Es zu betrachten und Mama sagte mir wer darauf war. Es war schön die alten Bilder zu sehen. Die Geschichte der Familie zu sehen. Vielleicht hat das damals mich geprägt mit dem Fotografieren zu beginnen.

Ich hab meine Bilder, Bilder, die ich erstellt hatte, auch in verschiedenen Kisten gesammelt. Sehenswert im heutigen Sinne waren sie nicht. Doch sie haben Geschichte, meine Lebensgeschichte. Im Laufe der Jahre kamen dicke Fotoalben hinzu. Bilder von Reisen auf die andere Seite der Welt. Bilder der Erinnerung. Griechenland, Südostasien und Australien wurde touristisch abgelichtet. Schönste Erinnerung für uns. Nur für uns. Kein anderer Mensch kann wirklich etwas mit diesen Bildern anfangen. Sie kennen die Geschichte hinter den Bildern nicht.

Damals hab ich Bilder gemacht für die persönliche Erinnerung, ohne künstlerischen Anspruch. Ohne ein WOW Bild zu erstellen. Das änderte sich dann im Laufe der Zeit. Warum das so wurde? Ich kann es nicht sagen.

Mit einmal kamen die Bilder ins Internet. Wurden der Welt gezeigt. Wollte man Likes und Anerkennung. Wollte „der“ Fotograf werden, den die Massen bejubeln. Ja ich gebe es zu, ich wollte auch ein Star werden. Ein Star in der Fotoszene. Wollte mit Aufträgen überschüttet werden, die Welt bereisen und Bilder zu machen. Anspruch und Wirklichkeit lagen Lichtjahrzehnte auseinander. Es hat gedauert bis ich selbst erkannt habe, das es nichts wird.

Das es zu dem Ziel nicht reicht. Das ich mich selbst viel weiter entwickeln muss. Bis zu dem Moment, an dem ich mit allem zweifelte. Will ich den wirklich ein Fotografenstar werden? Will ich wirklich nur Bilder machen die den Auftraggebern zu feuchten Hosen und mir die dicken Schecks bringen?

Wollte ich wirklich, dass mir tausende Follower zig tausende Likes spendieren und mir wie die Lemminge hinterherrennen? Mich einfach nur nachmachen und mir zu einem schönen Leben verhelfen? Eigentlich nicht.

Vieles fing sich an zu ändern, ich fing mich an zu ändern. Weg von der anfänglichen Überheblichkeit zum mehr… ja zu was eigentlich. Zu mehr Spaß an dem was ich ablichte. Zum mehr Kreativität in meinen Arbeiten. Weg vom Kommerz hin zur Kunst für Kunstliebhaber. Weg von tausend dahin gerotzen (man verzeihe mir den Kraftausdruck) Likes, hin zu Bildern die vielleicht anders sind. Bilder die Menschen begeistern können, ohne Massentauglich zu sein.

Und nun? Steh ich immer noch ohne Antwort auf die Frage da. Was ich mit meiner Fotografie erreichen will. Sag ich. Ich strebe nach keiner Anerkennung, wäre das eine Lüge. Den wie Milliarden von Bildermachern, präsentiere ich meine Werke im Internet. Um sie zu zeigen, um ein Kommentar zu dem Bildern zu bekommen. Und auch das eine oder andere Like zu erhalten.

Warum ich fotografiere? Was meine Ziele in der Fotografie sind. Ich kann diese Fragen nicht zur Zufriedenheit beantworten. Ja ich will ein wenig Kunst unters Volk bringen, ja ich will die Menschen mit meinen Arbeiten begeistern können. Ja ich will Inspiration für andere sein. Ja ich möchte ein wenig gestreichelt werden. Ja ich will mit meinen Arbeiten Menschen bewegen. Ja ich möchte, das man meine Bilder in Fotobänden betrachten kann. Ja ich möchte so vieles mehr.

Doch eins will ich nicht. Nur Geld mit meinen Bilder verdienen. Nur Bildbände zu produzieren, die dazu da sind mein Leben zu finanzieren.

Doch eines möchte ich gerne. Irgendwann einmal in einer Galerie ausgestellt werden. Ob ich das erreichen werde?


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6 Kommentare

  1. Was sind den bessere Bilder?
    Wer bestimmt das?
    Die Likes?
    Die Fotoprofis?
    Die Jury?
    Nun gut, ein Freund meinte mal vor langer Zeit zu mir, warum machen wir das mit den Fotos?
    Es interessiert ja doch keinen.
    Ich hab lange drüber gegrübelt, stimmt das? Ist dem so?
    Aber auf der anderen Seite, muss es für alles eine Erklärung geben?
    Nee, muss es nicht. Mein Bild ist top wenn es mir einen bestimmten Zeitpunkt wiederbringt.
    Eine Erinnerung, einen Moment, eine Stimmung.
    Die Jury oder andere, die würden das Bild sicher in Frage stellen, was mir aber völlig schnurz ist.
    Ich bin kein gelernter Fotograf und muss eben nicht abliefern.
    Um es abzukürzen, meine Fotografie muss nur mich glücklich machen! Nur mich und keinen anderen.
    Wenn es dann doch passiert, dann nehm ich dieses Gefühl mit Dank.
    Der Weg ist das Ziel, Herr Jante hat das treffend erkannt.
    Mit nem Gruß, Günter

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  2. Lieber Lars,

    vielleicht ist es nicht das Ziel deiner fotografischen Reise was du anpeilen solltest.

    Sonder vielleicht eher die Reise bzw. Entwicklung an sich selbst? Jeder Schritt der uns näher an das eine fotografische Etwas bringt ist doch im Grunde ein Ziel was wir erreicht haben.

    Kurz gesagt fotografiere nicht wegen deines Zieles sondern wegen dem Weg dort hin.

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    • Hallo Jante,
      ich weiß nicht was das Richtige ist. Der Weg oder das Ziel. Im Moment kann ich nicht einmal sagen ob und wie ich weiter mache. Im Moment ist alles irgendwie … schlecht. Ideen los , kreativ los. Die Technik macht es ja alleine nicht.
      VG Lars

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      • Ich werde eine Auszeit nehmen MÜSSEN. Um wieder bessere Bilder zu machen. Und auch bessere Texte zu schreiben. Und ich sollte mir nicht die Bilder von Sven ansehen. Die sind zu gut für mich.

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