Zufallsüberraschungsmotiv

Was für eine Wortschöpfung. Ob es an den kränklichen Körper liegt, der langsam das Hirn vernebelt? Oder ist es nur eine kreative Wortschöpfung eines schreibenden Fotomachers? Wie es auch ist. Es ist ein merkwürdiges Wort. Doch es trifft die Aussage zu einhundert Prozent.

Zufall war es, das ich jenes alte Mietshaus im 10. Bezirk der Stadt Wien betreten haben. Und dieses Haus hatte mich vollkommen überrascht. Nicht das Haus von außen, das fällt im Straßenbild nicht auf. Das Stiegenhaus, im hochdeutschen Treppenhaus genannt. War der Ort der mich vollkommen überraschte.

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Handyshoot

Ein solches Stiegenhaus hatte ich in der Art nur einmal gesehen. Und das war in den 1980er Jahren in Budapest. Sehr sehr lange her. Sofort flogen Gedanken durch den Kopf. Wie es wohl wäre, an diesem Ort ein Shooting durchzuführen. Altes bewohntes Gemäuer verschönert mit junger Eleganz. Sensuale Nude an old Places. Nicht Lost Place, was so jeder macht. Nein Old Place.

Mit diesem Gedanken streifte ich langsam durch das Stiegenhaus im 10. Bezirk von Wien. Faszination pur. Ideen und Vorstellungen in unendlicher Fülle. Unerwarteter Ausbruch der Kreativität.

Und dann sah ich das Motiv. Erst ein wenig ratlos. Dann interessiert. Und neugierig. War es ein Motiv. Welches ich so noch nie gesehen hatte. Jedenfalls nicht an dem Ort.

Ein Waschbecken im Stiegenhaus. Ungewöhnlich für mich. Ich kannte alte Häuser von der Kindheit. Wusste das in alten Häusern, das WC nicht in der Wohnung eingebaut war. Meist waren diese Örtlichkeiten eine halbe Treppe tiefer. Warum das früher so gebaut wurde? Ich hab keine Ahnung. Vielleicht waren die Erbauer früher der Meinung. Das die Entsorgung der menschlichen Fäkalien, außerhalb von Wohn und Schlafräumen sowie der Küche besser ist.

So aber stand ich in diesem Stiegenhaus und schaute auf ein Waschbecken. Dessen Sinn ich noch nicht verstand. Hatte ich auf der Hälfte der Treppe keine Türen gesehen. Hinter deren ein WC verbaut sein könnte. Es gab von einer Etage zur anderen keinen Treppenabsatz.

Und doch, so erfuhr ich später. Waren beim Neubau des Hauses Außentoiletten verbaut worden. Ob sich dabei 2 Wohnungen ein WC teilen mussten, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Nur das sich außer dem WC nichts anderes in den Raum befand.

Mit diesem Wissen machten die Waschbecken im Stiegenhaus dann Sinn. „Nach dem Stuhlgang, vor dem Essen. Hände waschen nicht vergessen“. Wahrscheinlich, haben die Bewohner diese Waschbecken auch für andere Zwecke verwendet. Doch leider kenn ich keinen Menschen der mir darüber berichten kann.

Für mich waren sie in dem Moment einfach ein wunderschönes Motiv.

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Und jetzt am Ende meiner kleinen Ausführung. Kann man dieses umständliche Wortgebilde des Artikeltitels vielleicht ein wenig verstehen.