Zu Spät

Vor ein paar Wochen, trieb es mich nach Düsseldorf. Genauer zog es mich in den Kunstpalast am Rheinufer. Ziel war die Ausstellung mit Werken von Peter Lindbergh. Da das Wetter an jenem Sonntag mehr als durchwachsen war. Konnte ich sehr gut durch die Ausstellung Untold Stories schlendern. Um mir die Werke von Lindbergh anzusehen. Leider hatten diese Idee noch sehr viele andere Menschen. Zu meinem Leidwesen.

Beim nächsten Mal werde ich so eine Ausstellung lieber in der Woche abends besuchen. An einem Sonntagmorgen um 11 Uhr ist es nicht ratsam. Man sieht schon alle Werke, doch irgendwie stellt sich einer immer davor.

Und knapp 140 Bilder in Großformat zu betrachten. Das braucht Zeit und Ruhe. Gut der Zeitpunkt war ein wenig suboptimal. Und doch war es interessant für mich. Gab mir neue Anstöße für meine eigenen Arbeiten. Und noch etwas war interessant.

Ich bin zu spät auf die Welt gekommen. Habe zu spät mit der Fotografie angefangen. In allem war ich zu spät. Warum ich auf diese Meinung gekommen bin?

Wenn Lindbergh heute seine Bilder im WWW zeigen würde. Facebook, Instagram, Fotocommunity und Co. Er würde in der Luft zerrissen. Falscher Fokuspunkt. Nicht scharf genug. Mangelnde Bildaussage. Absolut unscharf. Und dabei auch noch stürzende Linien.

Dazu Flächen die ins schwarz des Hintergrundes absaufen. Lindbergh wird in der Ausstellung und seinen Werken zu Recht gefeiert. Und doch würde er heute nur noch unteres Mittelmaß darstellen.

Die Kunst ist der überzogenen Technik unterstellt worden. Scharf, schärfer überschärft. Ist heute das was verlangt wird. Eine Schärfe die selbst das menschliche Auge nicht Abbilden kann. Full-HD, 4K ist das Nonplusultra heute. Wohin das noch gehen wird? Ich will es gar nicht mehr wissen.

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Schon heute sehen die Leute im TV bei 4k aus. Als wäre eine Vulkanlandschaft in ihrem Gesicht. Jede Pore wird zum Krater, jeder Pinkel zum gigantischen Berg.

In der Fotografie ist es nicht viel besser. Noch schärfer müssen die Kameras werden. Noch mehr Pixel auf dem Sensor haben. Jede noch so kleine Hautpore abbilden. Nur warum? Damit der Fotograf in der Nachbearbeitung stundenlang. Die Struktur der Haut mit Frequenztrennung. Durch die Struktur von Raufasertapete ersetzt?

Lindberghs Werke sind großartig. Amsels Werke ein Augenschmaus. Nicht immer perfekt. Nie Ultra-scharf. Dafür unglaublich gut anzusehen. Bilder die von dem Moment der Entstehung leben. Bilder die den Moment festhalten.

Ich bin zu spät geboren. Bin zu spät zum Lichtzeichner geworden. Und doch macht mir es weiterhin sehr viel Spaß. Gerade deshalb.

„Schärfe gibt es beim Inder.“, sagt ein recht bekannter Akt und Porträtfotograf. Recht hat er.

„Perfekte Linienführung gibt es nur in der Illustration.“ sag ich.

Den gute Bilder müssen nicht technisch perfekt sein. Sie müssen den Betrachter ansprechen. Den Kunstbetrachter, nicht den Technikbetrachter.

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Die Austellung „Peter Lindbergh – Untold Stories“ geht noch bis zum 1.Juni 2020

KUNSTPALAST
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag

11–18 Uhr

Donnerstag

11–21 Uhr

Montag

geschlossen

Feiertage:

11 – 18 Uhr: Karfreitag (10.04.2020), Ostersonntag (12.04.2020) und Ostermontag (13.04.2020)
geschlossen: Am Donnerstag, den 2.4.2020, schließt der Kunstpalast wegen einer externen Veranstaltung bereits um 18 Uhr.