Wette

Ich bin bekanntlich nicht besonders groß. Und auch sonst, abgesehen von der Blautze, ist an mir alles der Körpergröße entsprechend. Nur eine, nein sagen wir zwei Sachen sind um einiges größer. Und diese beiden Sachen sind Segen und Fluch zugleich.

Der Segen sind meine teilweise verrückten Ideen. Der mich immer wieder dazu bringt. Einen anderen Weg einzuschlagen. Wo Scheitern auch kein großes Problem ist.

Der Fluch ist meine große Schnauze, Klappe, Mundwerk, welches ab und an und viel zu oft erst Worte in die Welt hinaus tönt, bevor das Hirn die Gedanken beendet hat. Diesem Zustand verdanke ich auch meiner Leidenschaft zu Fotografie. Die treuen Leser kennen ja die Geschichte, wie ich zu Fotografie gekommen bin.

Allen anderen sei an dieser Stelle kurz erklärt. Ich hab über Bilder gemeckert und bekam die Aussage „Mach es doch besser.“

Und genau dieses freche und vorlaute Klappe, hat mich zu einer Wette gebracht. Welche ich gewillt war zu gewinnen. Da ich bekanntlich nur dann wette, wenn meine Gewinnchancen über 90% liegen. Ging ich eine Wette ein.

Vor geraumer Zeit befand ich mich in einer Auftragsarbeit im Studio. Ich dabei hinter der Kamera. Das Model sollte in Highheels ein paar Meter gehen. Um in einem Schritt stehenzubleiben. Es klappte aber nicht. So rein gar nicht. Im Gegenteil, es wurde schlimmer und selbst der Stand wollte nicht klappen.

Ich am Verzweifeln. Kein Bild war gut genug. Pose schlecht, Mimik angespannt. Haltung  .. na ja sprechen wir nicht darüber. Und dann passierte es. Mein loses Mundwerk meldete sich.

„Man, so schwer kann das doch nicht sein, in den Schuhen zu laufen. Das dürfte ich sogar nach ein paar Wochen üben hinbekommen.“

Stille im Studio. Model funkelte mich böse an. Ihre Begleitperson ebenso.  Und dann sprach jemand die Worte. „Ich wette, dass du es nicht schaffst, in 4 Wochen auf Heels zu laufen. Ich bestell dir die Schuhe. Wenn du es nicht hinbekommst, zahlst zu sie. Ansonsten kannst du sie behalten.“

Ohne auch nur einen Moment zu überlegen. Entsprang meinem Mund die Worte, „Okay. 4 Wochen.. dann kann ich das.“ Die Wette war abgeschlossen. Langsam dämmerte es in meinem Hirn. Oh mein Gott, was hatte ich getan.

Das einzige, was ich da noch machen konnte. Die 4 Wochen ab dem Moment beginnen zu lassen, wenn die Schuhe geliefert wären. Im Stillen hatte ich die Hoffnung. Das es Heels in 43 nicht geben würde. Ich hatte mich getauscht.

Es dauerte 14 Tage als der freundliche Amazonlieferfahrer an der Haustüre klingelte. Das ganze nur wenige Tage vor meiner Dienstreise nach Bayern. Und so stand mein Plan fest. Nach der Arbeit. Im Pensionszimmer und einsamen Bergstraßen. Laufen lernen, laufen auf Highheels.

Dort an einem Ort wo mich keiner kennt. Und so begann es. Stundenlang stöckelte ich in dem Pensionszimmer auf und ab. Am dritten Tag ging es nach Tirol an einen abgelegenen Parkplatz. Nur um das Laufen auf 10cm Absätzen zu üben. Ohne mir dabei die Beine zu brechen. Und es ging gut. Erschreckend gut. So gut, dass ich begann Bilder davon zu machen.

Auch wenn es gut war. So war ich doch froh. Das mich keiner sah. Mensch mit Dirk Bach Figur auf Heels. Ist schon ein merkwürdiger Anblick. Die Tage danach übte ich im heimischen Keller. Hin und her.

Und dann kam der entscheidende Tag. Man traf sich wieder im Studio und ich musste zeigen, was ich kann. Kurz gesagt. Ich bin nun im Besitz von 3 Paar Highheels. Die unterschiedlich sind. Ein Paar mit Plato als Halbschuh, ein paar Pumps. Beide mit dem berühmten Pfennigabsatz und ein Paar Kurzstiefel mit Plato und dickeren Absatz.

Nein, ich hab dabei keinen neuen Fetisch entwickelt. Außer zu ungewöhnlichen Fotoprojekten werde ich dieser Schuhe nicht tragen. Auf keinem Fall. Dazu bin ich dann doch viel zu maskulin veranlagt.

Selbst zu Fasching oder Karneval werde ich die Schuhe nicht tragen. Nur wenn man mich zu einem Fotoprojekt begeistern kann. Bin ich noch gewillt.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Radlerpende. Die Energielieferant bei schönen warmen Sommerwetter. Per Paypal einen Euro für ein Radler.





Moral von der Geschicht. Man wettet ohne Überlegung nicht.