Wechselspiel

Es war wieder Wochenendarbeit angesagt. Wie schon oft erwähnt, finde ich Wochenendarbeit im allgemeinen wenig gut. Und doch mach ich es oft selbst. Und werde dafür noch nicht einmal bezahlt. Die meisten Shootings finden halt am Wochenende oder am Abend statt.

Für mich der nicht von der Fotografie leben muss, kann oder darf. Beschränkt sich die Arbeit am Bild daher überwiegend am Wochenende oder in den Abendstunden. Da sich mein Chef noch nicht bereit erklärt hat. Meine künstlerischen Ansätze in der Fotografie mit einem regelmäßigen Sponsoring zu unterstützen. An der Stelle muss ich noch viel Überzeugungsarbeit leisten. Schließlich geht es hier um Kunst und nicht um extrem Sport. Diese unterstützt der Big Boss allerdings. Und bevor falsche Gedanken bei euch aufkommen. Nein Big Boss ist nicht der mit der teuren koffeinhaltigen Brause.

Wobei ich mich gerade frage, ob mein direkter Chef eigentlich weiß was sein Mitarbeiter so in seiner Freizeit treibt? Wahrscheinlich nicht. Dafür ist er viel zu weit weg. Egal. Zurück zur Wochenendarbeit. Einer schönen Wochenendarbeit, das sollte man an dieser Stelle durchaus erwähnen.

Die Kyra stand im Studio so rum und wollte vor die Linse. Statt einer Begleitperson hatte sie einen Begleithund mit. Ein absolut liebes Tierchen. Die süße kleine, es ist eine Hündin, ist sehr gefährlich. Die schmust dich zu Tode. Es muss geschmust und gestreichelt werden bis das der Tod eines der beteiligten Lebewesen eintritt. Gut das kann dauern. Rom ist bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut worden.

Was macht man, wenn so lieber Vierbeiner nun meint. Es wäre ihm langweilig und man müsste jetzt sofort mit ihm spielen und vor allem schmusen? Er oder in dem fall besser Sie. Trabt mal ganz locker in das Set.

Nun kennen viele Leser meine Einstellung zu Begleitpersonen. Bevor die unnütz herumsitzen. Dabei möglicherweise sinnfreie Tipps und Hinweise von sich abgeben. Oder mich gar in ein Gespräch verwickeln wollen. Werden diese Begleitpersonen zur Hilfarbeiter eingesetzt. Ich finde das mehr als cool. Wie sie das finden? Keine Ahnung.

Unser Begleithund erging es nicht anders. Kurzerhand wurde sie ins Set eingebaut. Selbst schuld sag ich da nur. Keiner latscht ungefragt in mein Set. Auch keine süße verspielt und verschmuste Hundedame.

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Die Fellnase wurde hübsch platziert, obwohl sie keine richtige Lust dazu hatte. Ein wenig Damenhaft störrisch. Mit ein wenig sanfter Überzeugungsarbeit, war Dame dann doch bereit sich hübsch zu platzieren. Und dabei eine liebevolle Mimik anzulegen.

Lustigerweise fing sie dabei an ihrem Frauchen die Show zu stehlen. Und die Frage in den Raum zu stellen. Wer ist jetzt Model und wer nur Beiwerk. Das Ganze war allerdings nur von kurzer Dauer. Madame Hündin verlor recht schnell die Lust. Im Set konstruktiv mitzuarbeiten. Was menschliche Model und Fotograf allerdings wenig interessierte. Madame Fellnase blieb im Set.

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Und so entstand kurzfristig eine kleine Miniserie. Mit dem hochtrabenden Titel „The Dog“. Ein besserer Titel mit mehr Esprit und künstlerischen Anspruch. Ist mir nicht eingefallen.

Und die Moral von der Geschichte? Man muss ständig flexibel sein in seiner Fotografie. Änderungen im Ablauf eines Shootings sind gar nicht so selten. Klare Vorstellungen von dem Shooting sind Grundvoraussetzung. Aber auf keinen Fall starr und steif.

Ich wäre bis zu dem Zeitpunkt nie auf die Idee gekommen. Eine Frau mit Hund zusammen abzulichten. So hab ich Glück gehabt und bin wieder viele Ideen reicher.

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