Wandertag

Der Herr Arbeitgeber hatte mal wieder die nette Idee mir einen zusätzlichen freien Tag zu gewähren. Allerdings auch nur mit 63% der üblichen Bezahlung. Wobei dieser Tag eigentlich mehr vom größten deutschen Arbeitgeber bezahlt wird. Was nicht anderes bedeutet, dass der Steuerzahler damit auch ich, mein Gehalt an diesem Tag bezahlt.

Was macht man mit so einem freien Tag am besten? In meinem Fall mal wieder raus aus dem Homeoffice und den eigenen vier Wänden. Bewaffnet mit der kleinen Kamera wollte ich mein Können in der Streetfotografie wieder zu Leben erwecken. Die kleine Kamera hat den gigantischen Vorteil. Man wird nicht als fortgeschrittener Amateurfotograf erkannt. Eher halten die Leute einen für einen Tourist. Der nur wild und unkontrolliert in der Gegend knipst. Genau richtig für mein Vorhaben. Die Menschen in der urbanen Gegend in ihrem Tun abzulichten.

Bitte an dieser Stelle keine Diskussion über die rechtlichen Dinge. Gerade im Bereich der Streetfotografie kann man verschieden Gesetze und Artikel zitieren und wird dabei nie zu einer Lösung kommen. Ich für meinen Teil beziehe mich auf das Kunstrecht verbunden mit dem Journalistischen Bild der Zeitgeschichte. Gewerblich oder kommerziell ist es ja nicht. Schließlich verdiene ich mit der Fotografie und den Bilder kein Geld.

Ich fuhr also an dem freien Tag recht Planlos an eine große Stadt an Rhein. Um zwei Sachen zu machen. Nein eigentlich drei. Die erste Sache hatte ich schon erwähnt. Fotografieren. Die zweite Sache war absolutes Neuland für mich. Etwas was ich noch nie gemacht hatte. Flanieren. Einfach langsam durch die Stadt zu laufen und die Augen schweifen lassen. Flanieren ohne Ziel. Eine Erfahrung die es wert ist zu vertiefen. Auch wenn es sich zwischen durch komisch anfühlt. Zu laufen ohne Ziel, ohne zu einer bestimmten Zeit an einem Ort zu sein. Mal hier und mal da verweilen, um die Menschen im urbanen Raum zu beobachten. Einfach ist das nicht. Gar nicht. Hat man doch meist ein Ziel. Möchte an einer Stelle unbedingt vorbei kommen. Doch Flanieren ist anders, ist für einen, wenn man es dann kann, beruhigend. Wenn man selbst zur Ruhe gekommen ist. Und es schärft die Sinne, um die Umgebung intensiver wahrzunehmen.

Ja ich bin teilweise flaniert. Den ganzen Tag ist es mir nicht gelungen. Damit hatte ich auch nicht gerechnet. In der Zeit wo es mir gelungen ist, war es ein Traum. Und die Zielsetzung es bald möglich zu wiederholen. Es muss ja nicht immer in den großen Städten sein.

Die dritte Sache an diesem freien Tag war nicht weniger wertig als die anderen beiden. Eigentlich war sie der wichtigste Punkt. Einen Freund treffen. Zusammen schwatzend durch die Straßen laufend. Dabei hat er mir seine Stadt näher gebracht, von der ich zwar einiges wusste. Doch noch lange nicht alles. In der heutigen C Zeit ist dies alles andere als einfach. Und oft fragt man sich, ob man alles noch verstehen muss. Oder was gar falsch läuft in diesem Land.

Schöne Stunden waren es, die wir zusammen durch einen kleinen Teil der Innenstadt gezogen sind. Uns über so viele Dinge unterhalten haben. Und sogar das eine oder andere Bild den Weg auf die Speicherkarte fand. Selbst das schlechte Wetter trübte diese Zeit nicht.

Und was hab mich an diesem Tag gelernt? Freunde kann man überall treffen. Und wenn es nur beim Flanieren durch die Stadt ist. Nicht jedes Objektiv eignet sich für die Streetfotografie. Und ich muss mehr raus an die frische Luft. Und was in den C Zeiten besonders wichtig ist. Immer zu wissen, wo ein öffentliches WC ist.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Kaffeespende. Den Kaffee ist der Energiespender aller Künstler in jeder Jahreszeit. Besonders für die, die keinen Alkohol trinken. Per Paypal einen Euro für einen Kaffee.