Veggi

Ja ich esse Fleisch. Mal vom Schwein, mal vom Rind, ab und zu vom Huhn ganz selten auch vom Kalb. Schön in der Pfanne von beiden Seiten scharf angebraten. Im Sommer wird die Pfanne gegen einen Holzkohlegrill ersetzt.

Mein ökologischer Fußabdruck ist damit vollkommen dahin. Fleisch, Fossile Brennstoffe bei der Nahrungszubereitung, dazu auch noch der Energieverbrauch von Laptop, PC, Handy, TV und Licht. Und einen Verbrenner beweg ich auch noch. Auch wenn das durch das Homeoffice sehr viel weniger geworden ist.

Ich bin ein Klimaterrorist. Die Änderung des Klimas geht nur auf meine Kappe. Schließlich nutze ich ja auch das Internet. Und wenn man den Energieverbrauch der 10 größten Serverfarmen bzw. Rechenzentren betrachtet. Und diese benötige ich zur Nutzung des Internet zwingend. Man könnte eine Großstadt mit Strom versorgen.

Selbst jetzt, in dem Moment wo ich im Garten sitze, mit Kaltgetränk in der Hand aber ohne Licht. Hinterlasse ich einen gigantischen negativen ökologischen Fußabdruck. Ich böser Mensch.

Mein Nachbar hat mir ins Gewissen reden wollen. Er würde jetzt nur grünen Strom verwenden. Ökostrom wäre was Gutes.

Ganz Ehrlich? Ich sehe nichts davon. Die Lampe vor seinem Haus leuchte die ganze Nacht immer noch weiß und nicht grün. Das flackernde Licht von seinem TV hat den Farbton auch nicht geändert. Und die Farbe seines Tesla ist auch noch nicht grün. Ich glaub fast er will mir nur ein schlechtes Gewissen machen.

Letztens hab ich mich heimlich in seinen Garten geschlichen. Mit ein paar Messgeräten hab ich den Strom an seiner Außensteckdose untersucht. Enttäuschend. Der Strom war nicht grün. Mehr so blau gelblich. So sah der Blitz aus als ich in der dunklen Nacht einen Kurzschluss verursacht habe.

Als ich morgens aus dem Krankenhaus kam, wohin ich nach der Stromfarbenprüfaktion mit meinem Diesel gefahren bin. Man sollte Stromschläge nicht unterschätzen. Hat der Arzt nur den Kopf geschüttelt, als ich ihm sagte „Kann nicht so schlimm sein, ist Ökostrom. Der ist biologisch abbaubar.“

Da fand ich mein Nachbar mit seinem Tesla auf der Landstraße zwischen zwei Ortschaften. Ich hab mich natürlich sofort nach seinem Befinden erkundigt. Also vom Nachbarn nicht vom Tesla. Die Karre ist mir ja vollkommen egal. Jedenfalls sagte der Nachbar, er würde es nicht verstehen. Er hätte die ganze Nacht geladen und nun wäre der Akku schon nach 5 km leer.

Auf meine Antwort „der Ökostrom hat sich bestimmt biologisch abgebaut.“ Hörte ich nur wütende Worte und ich hab schnell das Weite gesucht, bevor er mich mit dem Ladekabel erwürgt.

Gut meine Abende im Garten werden jetzt ein wenig einsamer werden. Ich glaub nicht das er mit seinen Eigenkreationen von Obst und Gemüse in Flüssigform vorbeikommt. Brauch ich auch kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn ich mein gut gekühltes Radler trinken möchte. Ja das ist dann auch der Grund warum meine Ökobilanz so grässlich schlecht ist. Getränke und Lebensmittel lagern im Kühlschrank.

Nicht das ihr jetzt denkt, mir geht Umweltschutz am Allerwertesten vorbei. Ich achte beim Einkauf schon auf das Ursprungsland der Ware. Und da bin ich schon gezwungen Fleisch aus der Region zu kaufen. Und kein Obst und Gemüse aus Spanien, der Türkei oder gar aus Fernost. Und ich kann mich nicht mit geschmacksneutralen Tofu aus dem entferntesten Bundesland anfreunden. Wenn ich vom Fleischhauer aus dem Nachbarort ein schönes Stück Fleisch erwerben kann.

Und als Zeichen meines Umweltbewusstseins. Hab ich dem Model ein Stückchen gesunden Obst in natürlicher Fruchtform in dem Mund gesteckt. Heimische Erdbeeren schmecken am Stück um Welten besser als ein Erdbeersmoothie. Der wahrscheinlich einmal um die Welt gereist ist, bevor er im Supermarktregal gelandet ist.

P.S. Der Text kann stellenweise Satire enthalten.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Radlerpende. Der Energielieferant bei schönen warmen Sommerwetter. Per Paypal einen Euro für ein Radler.