Strukurwandel

Vor gut 20 Jahren war der Landstrich hier in der Region nachts hell erleuchtet. Rot war die Farbe der Nacht. Von Mönchengladbach bis Aachen lagen keine 10 km zwischen den Bars mit der roten Laterne vor der Tür. Nachts konnte man die Puffs, Bordelle und Nachbars gar nicht zählen. So viele waren das. Und auf der anderen Seite der Grenze. In den Niederlanden sah es nicht viel anders aus. Warum es eine solche große Anzahl von diesen Geschäften gab, war mir immer ein Rätsel. Hier auf dem platten streng katholischen Land. Später hatte ich eine kleine Ahnung, ob diese richtig ist?

Gab es doch hier in der Region sehr viel Militär. Royal Air Force, Nato Hauptquartier. Munitionslager der Bundeswehr. Belgische Landstreitkräfte. Um nur einige zu nennen.

Es wäre jetzt aber nur zu billig. Wenn man die Anzahl der Bordelle in den alleinigen Zusammenhang zu den Streitkräften stellen würde. Den das Leben hat sich als solches auch Grundlegend geändert.

Bis das der Tod euch scheidet, war in den vergangenen Jahrhunderten das Leitmotto in den Familien. Familienväter gingen eher in den Puff als ihre Partnerschaft aufs Spiel zu setzten. War der Besuch in dem Auge der Besucher. Kein Fremdgehen im eigentlichen Sinn. Man bezahlte für eine Leistung. Ohne Liebe und ohne Gefühl.

Und auch das Internet gab es nicht. Es gab es zwar schon. Doch kannten es nur sehr wenige. Es war nicht das, was es heute ist. Fester Bestandteil des täglichen Lebens. Tinder, Joyclub und wie die ganzen Portale sich auch nennen mögen. Waren nicht erfunden. Sexualität spielte sich mehr im Verborgenen und im dunkel der Nacht ab.

Das alles hat sich in den letzten 2 Jahrzehnten grundlegend geändert. Statt in den Puff zugehen, holen sich Männlein und Weiblein ihre Befriedigung zu Hause per Internet. Durch Dating Portale und ähnliche Dienste. Tinder und Co verhelfen Menschen sich zu treffen. Ob nun einmalig oder dauerhaft. Video Live Portale haben die klassische Peepshow ersetzt.

Dies alles führte zu einem Sterben der Bordelle, Puff und Nachtclubs. Wahrscheinlich auch durch Machtkriege unter den Betreibern. Dazu strenge Gesundheitskontrollen und die Überprüfung von Alter und Aufenthaltsgenehmigungen der Frauen. Die in den Räumen ihrer Arbeit nach gingen.

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Seit mehr als 10 Jahren hat der Betrieb geschlossen. Mehrfach angezündet reicht es nicht einmal mehr zu einem Lost Place. Still und stumm stehen die Überreste noch da.