Nachtbeschäftigung

Früher hat Mama immer zu mir gesagt „Die Stunden vor Mitternacht sind die Stunden wo man erholsam schläft.“ Und ich hab ihr natürlich nicht geglaubt. Warum auch? Ein Jugendlicher Bengel stellt eh so vieles infrage. Was die Eltern so erzählen.

Heute allerdings, bin ich an der Stelle von Mama. Und als Papa sag ich meinem Kind fast die gleichen Worte. „Es macht einen Unterschied wann man die 6 – 8 Stunden schläft. Zwar kann ich um drei Uhr nachts erst in Bett gehen und bis 10 11 Uhr schlafen. Doch ist man nicht so fit. Als wenn man schon um 22 Uhr ins Bett gegangen wäre.

In jungen Jahren steckt man das so einfach weg. Jetzt mit ein paar Monden auf der Lebensuhr. Wird es anstrengender. Der in die Jahre gekommene Körper mag die nächtlichen Aktionen überhaupt nicht mehr. Und so wird der Tag danach immer zur Qual zwischen Wach und Schlafen. Beides kann man am Tag nach der langen Nacht nicht so gut. Ich hänge in wahrsten Sinne des Wortes in den Seilen.

So richtig abstruse wird die Sache allerdings. Wenn man trotz der absehbaren Folgen. Um 22 Uhr Abends anfängt die Fototasche zu packen. Dazu einen Campingsessel, die Luftisomatte, eine Wolldecke, genug zu trinken ins Auto packt. Um 1,5 Stunden in die Nacht zu fahren. Nur um Bilder zu machen. Bilder die man zu Hause nicht machen kann.

Und so brachte mich der überteuerte Firmenkombi in der frühen Nacht in die Eifel. Vorbei am nächtlich verschlafen liegenden Nürburg Ring. An einen Punkt wo ich mir Dunkelheit versprach. Den laut Lichtverschmutzungskarte sollte es dort schön dunkel sein. Wobei ich am Anfang der Fahrt doch ein wenig Zweifel hatte. Ob dieses Projekt sich umsetzen lassen wurden.

Zu Hause lachte die große runde gelbe Scheibe den ganzen Tag vom hellblauen Himmel. Aber am Abend zogen dann doch Wolken rein. Nicht die dicken Wattehaufen, sondern so leichte Schleierwolken. Diese jedoch den Blick auf die Millionensterne gut verhindern können. Und so blieb ich oft am Wegesrand, besser Straßenrand stehen. Um den Nachthimmel zu betrachten. Alle Wetterapps sprachen im Gebiet des Nürburg Rings von einer wolkenlosen Nacht.  Und am Ring oben ist das Wetter eh immer anders als im Tal. Oder an der Rur ohne H.

Zwei Füchse, drei Rehe und einer Umleitung von ca. 8 Kilometer später. Erreichte ich meinen Zielpunkt noch vor Mitternacht. Schnell gefahren bin ich nicht, dafür war auf den Straßen sehr wenig los. Ich konnte schön dahin rollen. Den Spot, den ich mir ausgesucht hatte. Sollte etwas erhöht liegen. Mit freiem Blick Richtung Süd bis Südost. Ohne einer Siedlung direkt vor der Nase zu haben. Und, wenn es eine gegen sollte. Dann eine sehr kleine. Der zu diesem Zeitpunkt für mich ideale Ort. Ist ein kleines Industriegebiet am Südrad von Kelberg. Guter Blick nach Süden, im Hintergrund ein paar Berge. Im Vordergrund Felder und wenig Umgebungslicht. Interessant an der Stelle sei gesagt. Der Spot war ca. 100 Meter von der Firma eines Kumpels entfernt. Ich kannte die Stelle also recht gut.

Recht schnell war das Auto auf einem Feldweg abgestellt. Die Kamera auf das Stativ geschraubt und ausgerichtet. Zum Einsatz kam dabei die kleine Canon 70d. Da ich für diese Kamera ein lichtstarkes Tokina 2,8f 11-16 habe. Verschieden Internet Seiten gaben als Hinweis. ISO 3200  Blende 2,8 oder größer Belichtungszeit 25 – 30 sek.  Als Neuling in der Astro Fotografie nimmt man diese Empfehlung als Grundeinstellung an.

Das Bild was dabei entstand. Wäre ein schönes Sommerabendbild locker durchgegangen. Hell und klar. Also die ISO Zahl massiv heruntergeschraubt. Es wurde besser. Von Gut allerdings Lichtjahre entfernt. Nächstes Bild mit ISO 500 und nur 20 sek. Bei 2,8 Blende.

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Kurz nach Mitternacht. Wo kommt das ganze Licht her?

Das war schon besser. ABER. An der Stelle merkt man, die eine Laterne die sich 50 Meter hinter der Kamera befand. Und noch etwas hatte ich unterschätzt. Gevatter Halbmond mit seinen Kumpels den leichten Schleierwolken. Kurzer Hinweis zu dem Bild oben. Es ist nicht vollkommen schief fotografiert. Auch, wenn ich das besonders gut kann. Rechts geht es bergauf und links ins Tal. Was man an dem Bild gut erkennen kann. Bei den Einstellungen von Blende 2,8 ISO 500 und 25 sek. Belichtungszeit. Schaft es eine Laterne in 50 Meter Entfernung. Den Schatten von Kamera und Stativ im Feld abzuzeichnen.

Um es an der Stelle kurzzumachen. Der Spot war suboptimal. Zu viel Nebenlicht. Und einen Mond am Nachthimmel braucht es auch nicht. Ich hab trotzdem noch ein wenig experimentiert. Die Nacht war ja eh schon versaut 🙂 und ich war vor Ort. Also wurde mit den ISowerten und der Belichtungszeit gespielt. Selbst die Blende blieb nicht verschont.

Resultat am Ende ist das nachfolgende Bild. Für Astrofotografen wird es nur ein mildes Lächeln hervorzaubern. Mir gefällt es dafür gut. Auch, wenn die Ausrichtung der Kamera in Richtung Milchstraße zeigt. Dass ich diese, beim ersten Versuch. Richtig gut fotografieren kann. So verwegen wollte ich dann doch nicht sein. Es waren die ersten Schritte in der Astrofotografie.

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Nach guten 30 Minuten machte ich dann Schluss. Mir war in der Zwischenzeit ein anderer Spot eingefallen. Nördlich von Kelberg gibt es oben auf einem Berg. Einen kleinen Wanderparkplatz. Das einzigste was da oben leuchtet. Sind die Augen von Rehen, Katzen, Füchse und anderlei Getier im Licht der Scheinwerfer.

Gesagt getan. Das ganze Geraffel ins Auto gepackt. Um den Standort zu wechseln. Spot zwei war gut. Dunkelheit rings rum. Fast jedenfalls. Gevatter Mond liest sich nicht wegzaubern. Blick über Kelberg in Richtung Osten bis Süden. Windstill und mit 12 Grad auch nicht kalt.  Und so konnte Astrofotografie 1.1 bei Lars Döbler starten.

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Zwanzig Minuten nach eins in der Nacht. Blick nach Süden.

Die ersten Bilder gingen dann Richtung Süden. Thema Milchstraße war inzwischen doof. 🙂 Sternenhimmel mit monderleuchteten Schleierwolken war das neue Thema. Man muss halt ein wenig flexibel sein. Und kein Mensch, außer man selbst. Weiß das man eigentlich, was anderes versucht hat. 🙂 Was natürlich nicht bedeutet. Das ich keine neuen Versuche unternehmen werde. Um die olle Milchstraße kunstvoll abzulichten. Dazu braucht es dann halt eine Wolken und Mond frei Nacht nach einem regnerischen Tag. Und das am besten an einem Samstag. Da wie am Anfang des Textes erwähnt. Der Fotograf seinen Schlaf vor Mitternacht braucht.

Ganz zum Schluss möchte ich euch noch ein letztes Bildchen aus der Tour zu den Sternen zeigen. Ich finde es gelungen. Die vielen kleinen Punkte ist nicht das Rauschen der Kamera. Nein es sind wirklich Sterne am Nachthimmel. Gleichzeitig zeigt es aber auch die Lichtverschmutzung in der Nacht an. Astrofotografie ist es nicht. Dafür ein Bild des nächtlichen Sternenhimmel über der Vulkaneifel.

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Nachts um halb zwei Uhr. Blick über Kelberg nach Osten

Und was soll ich euch am Ende sagen?

„Geht raus und macht Bilder. Nur so lernt man.“

P.S. Der heutige Tag ist mühsam. Augen und Glieder sind schwer. Der Verstand ist wach. Ich hänge in den Seilen.

Habt ihr schon Erfahrung mit der Astrofotografie? Hinweise, Tipps und Tricks gerne als Kommentar.