Müde

Müde. Todmüde bin ich. Den Tag werde ich nur mit viel. Sehr viel. Wahrscheinlich extrem viel Kaffee überstehen. Und das in der Hoffnung. Der Job wird nicht allzu anstrengend und nervenaufreibend.

Dabei war gestern alles auf Erholung ausgerichtet.  Relativ pünktlich Feierabend gemacht. Gut die 15 – 20 Minuten die tagtäglich aufs Gleitzeitkonto kommen. Sieht man als pünktlich schon an. Dann ging es kurz einkaufen. Damit die heimischen Weibsen etwas in den Magen bekommen. Und ich selbst auch keinen Hunger schieben muss.

Zwar würde mir ein wenig weniger Essen ganz guttun. Näher ich mich körperlich immer mehr an mein Idol Dirk Bach an. Doch irgendwie hab ich dabei meine Zweifel, ob ich damit gut laufen könnte. Schränkt der Bauch dann doch die Bewegung ein.  Es fehlt ein wenig die Dynamik in meinen Bewegungen.

Dirk Bach….  ach was hab ich diesen Menschen geliebt. Einer der wenigen Prominenten. Den ich wirklich gerne persönlich kennengelernt hätte. Die Art und Weise wie er seinen Bauch vor sich hergetragen hat. >Schaut her. Ich bin dick und steh dazu. Ihr Hungerleider<. Es war einfach zu köstlich anzusehen. In viele Situationen war es auch sein Job, sein Image, seine Schauspielkunst. Doch es hat mir immer ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Nachdem ich also für das Abendmahl eingekauft hatte. Ging es sodann an die Zubereitung desselben. Und mag sich jetzt der eine oder andere von Euch vielleicht vorstellen. Dass ich meinen Mädels ein 3-Gänge-Menü zurecht zaubern kann. Dem ist dann leider nicht so. Meine Fähigkeiten als Koch in der heimischen Küche beschränken sich. Auf das unfachgerechte Anbraten von FLEISCH. Unfachgerecht deshalb, da mir gelernte Köche immer wieder sagen, das man so Fleisch nicht anbrät. Das würde nicht klappen. Mhhh bei mir klappt es komischerweise irgendwie dann doch. Außen schöne Kruste nennt man das so? Innen saftig. Und je nach Vorliebe des Verspeissers. Von zart rosa bis blutig. Beschwert hat sich noch niemand. Was hoffentlich nicht an der Tatsache liegt. Das bei Tisch sich immer ein schönes großes Messer in meiner Nähe befindet. So ein Messer in Reichweite kann kaum dazu dienen. Angstperlen auf die Stirn der Tischnachbarn zu zaubern. Anders sieht es doch in dem Moment aus. Wenn diese Tischnachbarn meine Affinität zu Mord und Totschlag kennen. Bevor nun jedermann denkt, ich wirklich harmloser, wo fängt Harmlos an und wo endet es, Mensch, würde blutrünstig durch die Welt laufen. Dem sei an dieser Stelle gesagt. Krimis in Film und Buchform mag ich sehr.  Und meine eigene Mordlust lebe ich in Schriftwerken aus. Blutrünstige Fantasien in Wortform. Herrlich. Ich merke, ich schweife ab. Ansonsten beschränken sich meine Kochkünste in der Zubereitung von Milchreis und Nudeln. Wobei ich allerdings auch ein paar Spezialitäten herstellen kann. Flammenkuchen à la Lars. Den kann ich wirklich gut. Und die Herstellung von Currysoße, die den Namen auch verdient. Nicht zu vergleichen mit dem Gelump. Welches einem in den Imbissbuden landauf landab verkauft wird. Bei dem der hippe Großstadt Schnösel, meint. Das eine gute Currysoße nur scharf sein muss. Jene Schnösel und Tussis. Welche im geleasten Audi oder Benz durch die Stadt fahren. Dabei mehr auf das neusten Smartphone aus dem Hause Apple glotzen. Als auf die Straße. Um Ihre Hack Fressen permanent bei Instagram und Co zu zeigen. Uns Alten das Leben erklären wollen. Und selbst auf eine App angewiesen sind. Die ihnen  das Atmen ermöglicht.

Diese BWL er, Analysten, Betriebsfachwirte, Heads of Human Resources, Heads of Desaster. Masterplaner mit Berufsbezeichnung. Die nicht einmal Google kennt. Obwohl sie da angeblich gearbeitet haben. Also jene arroganten unproduktiven Mitmenschen. Die der Meinung sind. Alles besser zu können.  Wobei jede Kuh sicherer übers Eis läuft als die hippen Tussis und Spinner.  Haben null Ahnung von wirklich gutem Essen. Eher davon wie sie sich gläsern machen. Abhängig vom Apps und Internet.

Ups, schon wieder bin ich abgeschweift. Ich gelobe mich zu bessern.

Nach dem Abendmahl. Konnte das Abendprogramm beginnen. Jedoch nicht ohne vorher diese Art von Schlachtfeld in der Küche zu beseitigen. Nicht ganz freiwillig wohlgemerkt. Schiebe ich solche Aufgaben gerne den Weibsen im Hause zu. Das Einräumen der Spülmaschine für mich ein Graus. Nach jahrelangen Versuchen, bekomme ich nur die Hälfte von den Sachen in das Gerät. Welche meine beiden Mädels darin unter bekommen. Doch gestern hatte ich wenig Erfolg damit, mich vor dieser Tätigkeit erfolgreich zu drücken. Und irgendwie hatte ich es dann doch geschafft. Die Küche in einen Zustand zu versetzten.  In der man sie als Küche benennen kann. Selbst das Futter für die beiden Fellnasen war erledigt.

Und so konnte ich schnellen gemächlichen Schrittes. Mich auf dem Weg in den Garten machen. Das Wort Garten trifft hier allerdings nicht so ganz der Vorstellung viele Menschen. Es ist mehr so ein naturbelassener Raum um das Haus herum. Zu verwildert um als schöner Garten zu zählen. Zu gut um als verwildert zu gelten. Wühlmäuse, Maulwürfe und allerlei ander Getier. Haben den Garten in einen Zustand versetzt. In dem man Crossover Flipflops tragen müsste. Um Unfallfrei eine Runde durch den Garten drehen zu können. Für eine, der Nachbarschaft wohlgesonnene, entsprechenden Gestaltung des Gartens. Fehlt einfach die Lust.

Der Versuch das ganze von einem Landschaftsgärtner irgendwie machen zu lassen. Endete in der Vernichtung von viel Bier. Und den stundenlangen Hardcore Relaxen im Garten. Das die Schnappatmung auch nach den 5 alkoholfreien Bier nicht enden wollte. Konnte ich vor dem ersten Lesen des Angebotes des Gartenfuzzi nicht ahnen. Um mal ganz nüchtern zu sagen. So ein durchgestylter Garten, von einem Profi gemacht. Es reist ein riesiges Loch in mein noch nicht vorhanden Sparstrumpf. Den ich für den Erwerb eines kleinen Wohnmobils anlegen werde. Crossover Flipflops sind da günstiger.

Auf dem Weg in den Garten ging es jedoch an meinem Büro vorbei. Nicht dieses Büro in der Firma. Das ist nun wirklich zu weit weg. Um am Abend davor bei zugehen. Außerdem hab ich ja Feierabend. Und das in meinen Augen auch wohlverdient. Lustigerweise ist mein Büro zu Hause aber auch der Arbeitsplatz seit mehreren Monaten. So bin ich in dem selten Genuss zwei Büros zu nutzen. Tja man tut was man nicht kann.

Aus meinem Büro, also das hier zu Hause. Nehme ich mir mein privates Notebook, Handy, ein koffeinhaltiges alkoholfreies Mischgetränk und nikotinhaltige Sargnägel mit. So ausgestattet steht doch einem ruhigen und entspannten Abend nichts mehr im Weg. Außer den zwei Fellnasen. Die sich wie üblich mitten in den Weg legen. Und immer an den Stellen wo es am engsten ist. Anders wäre es ja auch viel zu Einfach. Hach ich liebe die beiden Wuffschnutten. Das heutige Abendprogramm ist eigentlich wie jedes andere Abendprogramm. Nicht das es langweilig wäre. Auf keinen Fall. Na gut ab und an schon. Doch das liegt dann eher an der Mediathek der Öffentlichen. Erst beschäftige ich mich mit der Fotografie, ist ja nun einmal mein Hobby. Um nach genug Input. Mir einen der angebotenen Krimis anzusehen.

Schwedische Krimis bevorzuge ich da im Allgemeinen. Auch, wenn diese unglaublich hart sind. Seelisch hart. Und im Gegensatz zu dem Schund aus Hollywood weniger blutrünstig. Ich hatte mich schon einmal erwischt, als ich einen amerikanischen Krimi ansah. Dass ich eine Schüssel unter den Laptop stellte. Damit das ganze Blut aufgefangen werden kann. Um nicht den Garten zu versauen. Schießereien, Tote, spritzendes Blut und noch mehr Leichen in gigantischen Blutlachen, auf dem Bildschirm. Das kann der beste Mac Air auf Dauer zurückhalten.

Der Krimi neigte sich dem Ende zu. Und mein Körper signalisierte einen massiven Sauerstoffmangel. Bei dem die Augen immer kleiner wurden. Und die Hirntätigkeit auf minimal Betrieb herunterfuhr. Und so klappte ich das Notebook zu. Um schnellen Schrittes langsam ins Haus zu wandern. Damit ich kurze Zeit später mein müdes Haupt. Auf dem schon wieder viel zu viele Haare sichtbar sind. Dabei mag ich seit Jahren gar kein Haar auf meinem hübschen Kopfe. Die sommerlich gebräunte glänzende Glatze ist meine bevorzugte Frisur. Macht mich männlicher, sagt man. Obwohl ich glaube das sie mich dabei anlügen. Um mich in Sicherheit zu wiegen.

Geschmeidig auf mein Kopfkissen zu betten. Um geschwind ins Reich der erotischen, chaotischen, verwirrenden, blutrünstigen Träume zu entschwinden. So drehe ich mich nach links. Später nach rechts. Decke weg. Kissen in die andere Bettecke. Doch wider nach links. Decke wieder hochgezogen.

Und dann passiert das was nicht passieren darf. Auf keinen Fall. Es muss unterbunden werden. Gedanken fangen sich langsam an zu formen. Verändern sich, tauschen sich aus. Fangen sich an zu jagen. Formen sich zu kreativen Ideen. Lassen sich nicht stoppen.

Ich fall aus dem Bett. Schleppe mich kraftlos an den PC. Notiere meine Gedanken, schreib mir die Ideen auf. Ich muss es tun. Denn mach ich es nicht. Kommt die Angst. Dass ich diese Ideen. Die wirklich guten Ideen bis morgen vergesse.

Vergesslich bin ich schon immer gewesen. Vergesse ich Hochzeitstage, Geburtstage von Freunden, vergesse das ich vor 15 Uhr frühstücken kann. Nur meinen Hintern hab ich noch nie vergessen. Ist der Tatsache geschuldet, dass er angewachsen ist. Sonst .. ja wer weiß.

Und dann könnte ich erste recht nicht einschlafen. Alles ist notiert. Und ich bette mich erneut.

In meinen Kopf herrscht Ruhe. Himmlische Ruhe. Draußen auf der Straße vorm Haus. Donnert ein Traktor mit Hänger vorbei. >Können die Wichser nicht über die Bundesstraße fahren in der Nacht? Müssen die Vollhonks durch die Dörfer brettern?<, jagt mir der erste Gedanke wieder durch den Kopf.

Ein böser Fehler.

Ein Teufelskreis.

Zusätzliche Ideen von diesen vor kurzen notierten Ideen kreisen durch das Hirn >Sein still du dummes Hirn, hinter nett anzuschauender Hülle<, schrei ich still in mich hinein. Doch es hört keiner zu, selbst ich nicht.

Müde und schlapp angel ich mir das Handy auf den Nachtisch. Noch einmal den PC anschalten mag ich nicht wirklich. Ich mag mich auch nicht wieder erheben. Zu schlapp der Körper. Zu willenlos das Fleisch. Mit müder und gebrochener Stimme. Sprech ich meine Ideen als Sprachmemos in das Gerät. Bis ich einschlafe. Der letzte Gedanke ist nur „Kaffee“


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