Meinungsänderung

Ein ganz normaler Sonntag. In einer merkwürdigen Zeit. In der Mitte Europas. Ich bin mit einem Kollegen in Düsseldorf verabredet. Um im Kunstpalast eine Ausstellung von Fotografien zu betrachten. Die Sammlung welche der Kunstpalast aufgekauft und nun der Öffentlichkeit zugänglich macht. Interessiert uns sehr.

Verspreche ich mir davon auch neue Impulse. Für meine eigene Weiterentwicklung. Schließlich hab ich nicht Fotografie als Beruf gelernt und auch nicht Fotografie studiert. Damit dürfte ich mich gar nicht Fotograf nennen. So sehen es jedenfalls einige Fotografen. Welche den Beruf erlernt haben. Ob ich nun sehr viel schlechtere Bilder als die Berufler mache. Oder ob man als ungelernter Nebeneinsteiger auch gute Bilder liefern kann. Das mögen in meinem Fall andere beurteilen.

Kein andere Beruf hat seit der Einführung der digitalen Fotografie so viel Werteverlust erfahren müssen. Was durch Facebook und Co noch verstärkt worden ist. Wo sich jeder Heinz und Horst im MediaMarkt eine digitale Kamera gekauft hat. Und nach Eröffnung einer Photography Fan Seite bei Facebook sich als der Fotograf präsentierte.

Meist mit unterirdischen Bildern und noch geringeren Preisen. Um dann den Sprung nach YouTube als Fotofachmann zu machen. Um den Neuen Fotografen am Horizont die Welt der Fotografie zu erklären.

Dass es durchaus Hobbyisten der Fotografie gibt. Deren Werke sich mit den Profis sich messen können. Ist genauso vorhanden, wie Berufsfotografen deren Bilder nur langweilig sind.

Doch zurück zu der Ausstellung. Corona machte uns einen Strich durch die Wanderung in der Ausstellung. Bis auf Weiteres sind die Ausstellungen im Kulturpalast Düsseldorf geschlossen. Zwar behalten die Tickets ihre Gültigkeit. Nur wann man die Räume betreten kann ist bis nach Ostern 2020 ungewiss.

Und was macht man nun? Dass der Kollege wie auch ich. Das leichte Fotobesteck bei uns trugen. Konnten wir einen ganz interessanten Foto Walk durch Düsseldorfs Altstadt machen. Klar wurde oft mehr gesprochen als Fotografiert. Und noch mehr wurde sich über die E-Scooter ausgelassen.

Jene merkwürdigen Fahrzeuge. In an jeder möglichen und unmöglichen Stelle in der Stadt herumstehen. Akku leer gefahren und einfach abgestellt. So hatte man den Eindruck. Und so konnte ich trefflich über die Teile meinen Unmut herauslassen. Das dabei das eine oder andere Bild von den Geräten entstand. Ist wenig verwunderlich.

Wir zogen durch die Stadt. Wer sich auskennt im Dorf an der Düssel. Dem kann ich einen kurzen Wegplan geben. Von der Tonhalle entlang des Rheinufers. Quer durch die Altstadt zum Kö Bogen. Entlang der Königsallee bis zum Graf Adolf Platz. An der NRW-Bank vorbei zum Landtag. Um am Ende des Medienhafens die Schleife für den Rückweg anzutreten. Vorbei am Hyatt und dem Jachthafen. Zwischen Landtag und Rhein vorbei zum Graf Adolf Platz. Wo man sich in einen türkischen Selbstbedienungsrestaurant eine kleine Stärkung verabreichte.

Menschen die viel und gerne laufen. Und sich nicht knapp 10 kg Winterspeck auf die Rippen gefuttert haben. Werden ein wenig den Kopf schütteln. Warum mir die Füße nach dieser Strecke schon reichlich schmerzten. Und ich der Erkenntnis reicher war. Dass ich doch besser die Boots als die Sportschuhe angezogen hätte.

Nach der Nahrungsaufnahme ging es dann auf getrennten Wegen zu den Fahrzeugen. Wobei mein Kollege etwas günstiger geparkt hatte. Für mich bedeutete es. Gut 3/4 den bereits zurück gelegten Weges. Noch bewältigen zu dürfen. Oder zu müssen. Je nach Sichtweise.

Kurz kam mir der Gedanke die Stadtbahn zu nehmen. Jede Straßenbahn die zu U-Bahn mutiert ist. Doch hab ich den Gedanken schnell zu Seite geschoben. Wer möchte, sich an einem Sonntag mit den Fahrplänen der Stadtbahn auseinandersetzten. Also lief ich an dem Zugang zur Stadtbahn vorbei. Weniger stramm dafür mehr gequält dem Ziel Tonhalle entgegen.

Bis ich nach 50 Meter wieder um ein paar E-Scooter laufen musste. Doch dieses Mal. Maulte und fluchte ich weniger. Im Gegenteil. Ich betrachtet mir das Teil ein wenig näher.

Und dann passiert was völlig verrücktes. Ich lud mir die App des Anbieters auf mein Handy. Ruckzuck war die App da. Fast noch schneller war die Anmeldung erfolgt. Jetzt wollte ich es wissen.

Und was soll ich sagen. Keine 2 Minuten später. Sauste ich mit mörderischen 24 km/h ohne Helm auf dem Fußweg. Meinem Ziel entgegen. Und ich muss sagen. Ja es machte richtig Spaß. Nur auf dem Kopfsteinpflaster nicht. Da rütteltet das Teil so sehr. Das mir die Brille auf der Nase nur noch unscharfe Bilder lieferte.

Nach 8 Minuten war ich dann auch schon am Ziel angekommen. Den flotten E-Scooter zwischen den vielen anderen Genossen abgestellt. Und die Fahrt in der App als beendet erklärt.

2,52 € hat der Spaß am Ende gekostet. Weniger als ein Taxi, und wahrscheinlich auch weniger als eine Stadtbahnfahrt. Ein kleiner Preis für die Gesichter der Leute an meinen Fahrweg.

„Schau mal der alte Sack macht einen auf jung und fährt wie ein Bekloppter mit einem Elektrorollen. Der sollte nicht mehr als ein Rollator bewegen“.

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