Lichtblicke

Donnerstag. Ein Tag vor der Abreise aus dem Allgäu. Irgendwann ist jede Schulung. Jeder Lehrgang zu Ende. Wie erfolgreich die ganze Sache am Ende ist. Wird die Praxis in den nächsten Jahren zeigen.

Man lernt das neuste vom neusten. Im Tagesgeschäft hat man es jedoch mit den alten zu tun. Bis das neue kommt, ist es schon wieder älter. Und man hat vieles vergessen. Doch zum Glück gibt es Unterlagen. Die einem helfen können.

Um die persönliche Laune ein wenig zu erhellen. Könnte schönes Wetter nur helfen. Mal ein wenig Sonnenschein zum richtige Tageszeitpunkt. Das wäre ideal um aus dem Gedankenkreislauf herauszukommen. Der in trüben Stunden wieder einsetzt.

Es sind die Gedanken um das eigene Tun. Wo ist man im Leben falsch abgebogen? Was hätte man viel mehr lernen sollen. Mit was sich intensiver beschäftigen. Waren die Ziele zu hoch. Ein ewiger Gedankenkreislauf. Wie schon vor ein paar Wochen. Nur mit einem kleinen Unterschied. Das tiefe Loch in diesem Gedankenstrudel. Dieses abgrundtiefe Loch. Wird umrundet. Einigermaßen erfolgreich kämpfe ich gegen den Sog an. Bleib am Rand stehen. Schau in das unheilvolle Loch. Dessen Grund man nicht sieht. Und doch weiß was da unten ist.

Gedanken frei beginnt jener Donnerstag. Im trüben Nebel. Anders als die ganzen Tage vorher. Lernen, probieren, nachfragen. Aber auch lachen. Kaffeepause und Brotzeit. Lassen das Gedankenkarussell nicht anlaufen.

Die Kollegen hatten es mitbekommen. Das ich Mittwoch Abend recht spät. Noch einmal mit dem Fotorucksack aufgebrochen war. Wollen gerne die Bilder sehen. Schauen und sind dann doch erstaunt. Aufmunternde Worte. Von Menschen die nichts mit der Fotografie zu tun haben.

Gegen Mittag reisen die Wolken auf. Immer mehr Sonnenstrahlen finden den Weg auf die geschundene Erde. Man beginnt die ersten Feierabendplanung. Der eine will mit dem Rad fahren. Ein anderer zu einem See wandern. Der nächste sich etwas anschauen fahren. Noch ein anderer zu einem abgelegenen Gasthof. Und ich? Sauge die Informationen der Ort in mich auf. Frage nach. Und bekomme Hinweise und Tipps. Wo ich hinfahren könnte.

Feierabend. Noch immer strahlt die Sonne vom bayrischen blau-weisen Himmel. Und so gibt es kein Halten mehr. Schnell in die Unterkunft. Fotorucksack geschnappt. Und schon sitze ich im Auto. Möchte den Tipp des ortsansässigen Kollegen umsetzen.

Ziel des Tages ist der Alatsee. Ein kleiner Bergsee unweit von Füssen. Mit unglaublich klarem Wasser. Ich brauch nicht lange suchen. Bis ich den Spot gefunden habe. Den Spot um das Bild machen zu können. Was sich in meinem Kopf eingebrannt hat.

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Trotz des Wissens. Das es kein absolut perfektes Bild werden wird. Bau ich die Kamera auf. Ich muss Kompromisse eingehen. Das Licht ist viel zu hart. Der Wind ein wenig zu frisch. Und über den Bergen tauchen immer mehr Wolken auf.

Das erste Mal an einem Ort. Und perfekte Bedingungen. Sind etwas seltenes Hab ich gelernt. Es braucht schon mehrere Anläufe um „Das“ Bild zu machen. Landschaftsfotografie hat etwas mit Zeit, Demut und Einsatz zu tun.

Zeit. Diese ist manchmal, eher oft, mein Problem. Zu viel in zu kurzer Zeit. Ich lass mir, im Gegensatz zur Peoplefotografie. In der Landschaftsfotografie zu wenig Zeit. Muss einfach ruhiger werden. Zeit einfach Zeit sein lassen. Leichter gesagt als getan. Wenn man an einem Ort ist. Den man nur sehr selten besucht.

Die Bilder am Alatsee sind gemacht. Ich bin zufrieden. Möchte jedoch noch einmal in Tannheimer Tal. Besser in jenes Nebental. Wo ich nur die Bilder im Regen gemacht habe. Im Sonnenschein muss es traumhaft sein. Und so sitze ich kurze Zeit später im Auto. Auf dem Weg nach Tirol.

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Der Verkehr ist mit gut gelaunt. Zügig passiere ich Pfronten. Fast viel zu gut. Kurz vor der Grenze nach Tirol. Muss ich den überteuerten Familienkombi hart abbremsen. Das Motiv wie aus dem Bilderbuch. Postkarten wert. Die Bilder sind schnell gemacht. Es scheint heute zu laufen.

Kurze Zeit später. Steh ich dann im Tannenheimer Tal. Überwältigt von der Schönheit dieser Landschaft. Stativ braucht es keines. Das Licht ist weich. Wahrscheinlich von den Wolken, welche immer mehr auftauchen. Doch das ist okay.

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Völlig angefixt von den Bildern. Gab es nur noch zwei Ziele. Haldensee und Vilsalpsee. Zu letzteren wollte ich unbedingt. Interessant ist dabei. Auf der Karte ist das alles relativ weit weg. In Wirklichkeit dauert es keine 10 Minuten bei gesetztes treuer Fahrweise. Jedenfalls bis zur Schranke an der Zufahrt zum Vilsalpsee.

Diese Zufahrtsstraße ist von 10 bis 17 Uhr in einer Richtung gesperrt. Man kommt nur an den See. Wenn man eine kostenpflichtige Bimmelbahn nutzt. Nach 17 Uhr darf man bis an den See selbst fahren. Wo es auch einen recht großen Parkplatz gibt. Kostenpflichtig. Und nur gegen Bargeld.

Blöd ist nur. In Coronazeiten soll man ja bargeldlos zahlen. Scheint bei dem Tiroler Parkplatzbetreiber nicht angekommen zu sein. Irgendwann ist das Bargeld ausgegeben. Und da man überall mit Karte zahlen soll. Wird es auch nicht aufgefüllt.

Bei meinem kurzen Stopp in der Bimmelbahn / Buswendestelle. Wurde ich auch gleich von einem recht unfreundlichen Tiroler Gastwirt angemahnt. Das ich dort nicht stehen dürfte. Auf meine Frage, ob man das Parkticket mit Karte bezahlen könnte. Gab es keine Antwort.

Und so blieb mir nichts anderes übrig. 3 km zurück nach Tannheim zum Bankomat. Und wieder 3 km zum See. Umweltschutz ist was anderes. Bilder von dem See wollte ich trotz allem machen. Der See kann ja nichts dafür. Für die Ungastfreundlichkeit seiner Anwohner.

Auto also kostenpflichtig ordnungsgemäß abgestellt. Fotorucksack uns Stativ geschnappt. Schönen Spot gesucht und auch schnell gefunden. Wobei ich damit rechnete. Das der unfreundliche Tiroler Gastwirt mich wieder anschautzen würde. Das ich auf privaten Grund nicht fotografieren dürfte. Doch das passierte nicht. Man ließ mich in Ruhe. Wahrscheinlich auch. Da es anfing zu regnen. Regen hatte ich ja in den letzten Tagen selten.

Parkgebühren musste ich ja nun schon zahlen. Warum also nicht die Mindestparkzeit ausnutzen. Um in der zweiten Wirtschaft vor Ort einen kleinen Happen essen. Doch auch hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Küche nur bis 17 Uhr. Essen gibt es dann keines mehr. Ob man noch Getränke bekommt. Das wollte ich nicht mehr wissen.

Drum merke sich der Besucher des Vilsalpsee. Mit dem eigenen Fahrzeug musst du vor 10 Uhr vor Ort sein. Dann gibt es auch was zu essen. Bezahlst dann noch saftige Parkgebühren. Für die anderen Besucher gibt. Fahrtkosten mit der Bimmelbahn. Nach 17 Uhr Parkgebühren saftig. Dafür aber Hunger schieben.

Der See kann aber nichts dafür. Und der Anblick auch im Regen ein Traum.

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So gerne ich in Österreich bin. So oft wunder ich mich. Über das Verhalten der Einheimischen. Alles und jedes ist mit hohen Kosten verbunden.

Nachhaltigen Tourismus kann man auch anders gestalten. Nicht jedes Nest in den Alpen braucht 3 oder 4 Liftanlagen. Würde der Natur gut zu Gesicht stehen. Doch das ist ein anderes Thema.

Zum Hadensee bin ich dann trotzdem noch einmal gefahren. Obwohl es wieder in Strömen am Regnen war. Hat mir am Ende überhaupt nicht zugesagt. Ich hatte mir vom Motiv mehr versprochen. Doch die Tretboote in Schwanform am anderen Ufer versauten mir das Motiv. Und die Tatsache das die wenigen Parkplätze zu einem Hotel sowie einen Krimskrams Touri Nepp Laden gehörten. Kostenpflichtig.

Auf der Rückfahrt durch das verregnete Tirol. In den wieder verregneten Allgäu. Fand ich noch einen kleinen süßen Wasserfall. Doch dieses Mal war es mir egal. Das der nächste Parkplatz kostenpflichtig war. Kurzer Hand stellte ich das Auto einfach halb in eine Einfahrt. Für die 5 Minuten wurde es schon gehen. Und es ging.

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Mein persönliches Fazit zu Tirol als Fotograf. Als Tagesgast. Du braucht rechtlich Geld für irgendwelche Gebühren. So schön die Landschaft so teuer das Umfeld. Und Tirol ist kein Einzelfall. Gleiches erlebt man an der Ostsee, der Nordsee im Harz oder im Erzgebirge.

Nachhaltigen Tourismus kann man viel besser erreichen. In dem man die Übernachtungsmöglichkeiten reduziert. Die Sitzplätze in den Wirtschaften. Die Anzahl der Bergbahnen und Skilifte. Doch bis das in die Köpfe der Gastwirte, Hotelbetreiber und Tourismusbeauftragte eingedrungen ist. Gehen noch viele Schlammlawinen die Berge runter. Diese Schäden die dabei entstehen. Werden von Parkgebühren auch nicht mehr aufgefangen. Auch die Touristen sollten sich fragen. Ob man in Flipflops auf jeden Berg muss. 10 und mehr Abfahrten bei Skifahren sein müssen. Ob es nötig ist in maximal 50 Schritten am Strand zu sein.