Kühle

Heiß war es die letzten Tage und Nächte. Und sicherlich erzähl ich Euch damit nichts Neues. Wir mussten es ja alle erleben und durchleben. Bei den Temperaturen der letzten Tage läuft bei mir persönlich alles etwas anders. Der Körper geht in eine Art Sparmodus. Er ist der Meinung alles sehr viel langsamer ausführen zu müssen. Damit nicht ein gesteigerter Flüssigkeitsverlust eintritt.

Interessanterweise zieht sich dieses Phänomen vom Körper bis in den Geist. Was ja auch kein Wunder ist, sind diese beiden doch auch physikalisch miteinander verbunden. Was zu Folge hatte. Kreativität in Bild und Schrift war einfach nicht vorhanden. Selbst die Motivation war gänzlich abhandengekommen. Lockdown durch Hitze. Dazu kam ein gewisses Kreativvakuum nach dem Abschluss des einen Projektes. Ich könnte an der Stelle noch tausende Worte schreiben, um den Zustand zu erklären. Doch es reicht eigentlich nur ein einfacher Satz. „Die Luft war raus“.

Abhilfe sollte ein aufwendig geplantes Shooting geben. Ein Shooting wo ein dicker alter Fotomacher ein junges nacktes Mädchen, welche schon eine gestandene Frau ist, kunstvoll erotisch ablichtet. Welches darin endete. Dass der dicke alte Fotomacher vor der Haustür  des Models, vom einem anderen Fotografen die Fahrtkosten in Form von Euro Scheinen in die Hand bekam. Womit zwar der finanzielle Schaden beglichen war. Jedoch die Laune des Fotomachers unter den bis dahin bekannten Nullpunkt fiel.

Impulsive Menschen wie ich es einer bin. Neigen bei solchen Vorkommnissen zu spontanen Reaktionen. Meist sich diese aber wenig positiv. In meinem ganz persönlichen Fall war von einer sofortigen Beendigung das gesamten fotografischen Wertegangs die Rede. Zwei Kameras verkaufen, das ganze Zubehör bei Ebay Kleinanzeigen verramschen. Alle Projekte stoppen und dazu den Blog schließen. Die kleine MFT Olympus könnte man ja noch behalten. Für mittelprächtige Urlaubsaufnahmen reicht dieses feine Stück Technik auf alle Fälle aus.

Doch es kam anders. Ein überraschendes Telefonat. Weckte ein „jetzt erst recht“ in dem Oberstübchen. Nur ein kleines Stündchen später standen zwei ältere Herren im Feld und Flur. Um Probeaufnahmen anzufertigen. Der nackte Mann war wieder zurück. Und es wurde lustig und aufregend anregend. Dem nackten Mann gefallen die Aufnahmen. Dem Bildermacher auch. Ob, wie und wo sie der Öffentlichkeit gezeigt werden. Ist final noch nicht abgeklärt. Sind es doch Bilder, welche durch ihre nicht Perfektheit einen ganz anderen Charme haben.

Dem Fotomacher gaben sie den entscheidenden Impuls, um doch weiterzumachen. Sich nicht von den Models und ihres merkwürdigen Verhaltens das kreative Hobby versauen zu lassen. Ob der Fotomacher jedoch jemals wieder mit dem Model zusammenarbeiten wird, ist im Moment mehr als fraglich.

24 Stunden später. Der Fotomacher war damit beschäftigt, unzähligen Datenmüll in Form vom Bilder final auszusortieren. Bilder die auch nach längerer Zeit immer noch nicht überzeugen. Schlicht ein einfach in den Papierkorb zu werfen. Zogen draußen vor dem heimischen Fenster die seit Tagen angekündigten Naturgewalten auf. Nächtliche Dunkelheit und diese Naturgewalten hatte der Fotomacher vor mehr als 5 Jahren zum letzten Mal vor der Linse. Just in diesem Moment war das Fieber wieder da.

Kamera mit Weitwinkellinse, Schwenkfuß von Zemove, Wasser, Handy und Sargnägel samt Zündhilfe wurden blitzschnell in den Kombi gepackt. Um diesen dann auf einer Anhöhe inmitten von Feldern zu parken.

Der Rest ist schnell erzählt. Der Bildermachen liegt entspannt im Kofferraum mit umgelegter Rückbank. Und drückt regelmäßig den Auslöser. In der Hoffnung das genau in der Belichtungszeit sich ein schöner Lichtstrahl vor der Linse abzeichnet. Die Ausbeute an guten Bildern ist dabei nicht im Vorfeld zu bestimmen. Lassen sich die Naturgewalten nicht in die Karten schauen, wo und wann sie ihre unglaublich große Energiemenge in Richtung Erde ablassen.

Man muss schon viel Glück haben. Das oder die wenigen Bilder zu bekommen, bevor der Kofferraum durch die geöffnete Heckklappe mit Wasser geflutet wird. Doch bis zu diesem Moment ist die Hitze der letzten Tage und Nächte durch eine angenehme Kühle im Körper gewichen. Körper und Geist arbeiten wieder unter Normalzustand. Ein wunderbarer Zustand.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Kaffeespende. Den Kaffee ist der Energiespender aller Künstler in jeder Jahreszeit. Besonders für die, die keinen Alkohol trinken. Per Paypal einen Euro für einen Kaffee.