Hartnäckig

Es gibt Bilder die stellt man sich erst einmal nur vor. Ist eigentlich bei jedem Bild so. Und dann kommt die Umsetzung. Und du stellst fest. Es ist nicht planbar.

Wo ist, wann was? Wie ist es wo? Passt das Wetter? Wie ist das Licht? Kommt man überhaupt noch an den Ort? Und wie reagieren Klimaschützer und Werkschutz?

Das ganze entspricht einer Gleichung wo es nur unbekannte gibt.  Und höhere Mathematik hab ich nicht studiert und ist mir oft ein Rätsel. Und doch wollte ich dieses Bild.

Wochenlang bin ich immer wieder und wieder an den Ort gefahren. Mal war das Licht gut, dafür der Wind zu stark. Dann waren die Bagger vor Ort aber das Licht mehr als schlecht.

Zwischendurch machten die Klimaschützer zu viel Stress. Wobei nicht mir, sondern mehr dem Werksschutz. Die dadurch alles andere als locker waren.

Dann wieder eine gute Stimmung, gutes Licht, kaum Wind aber die Bagger waren weg. Schließlich bewegen die Maschinen sich fast permanent. Oder die Schaufelräder waren absolut nicht sichtbar.

Und so zog es sich Wochen um Wochen wenn nicht gar um Monate hin. Immer und immer wieder führte mein Weg an die gleichen Stellen. An manchen Tage war ich der Meinung das Auto fährt schon ganz alleine den Weg.

Sonntag morgen, das Licht war so la la. Die Sonne schien und ich wollte los. Da hatte ich ein neues Problem. Die Kaffeetasse hat mich festgehalten. Die gute muss einen direkten Draht zum Wettergott haben. Tasse leer, Regen vor der Türe. Schöner weicher Landregen.

Fototour wurde bevor sie losging abgebrochen. Konnte man sich auch viel besser auf das wichtige Fußballspiel vorbereiten. Sprich ich hab einen gesunden Mittagsschlaf gehalten.

Wettertechnisch alles bei Alten. Mieses Licht, Regen und Wind. Bis nach dem Abendessen. Da änderte sich urplötzlich alles. Der Regen war weg, der Wind auch. Warmes weiches Sommerabendlicht beleuchtet die Erde.

Startschuss zur abendlichen Fototour. Jedoch erst einmal an andere Stelle. Ein wenig Industriekultur, die an das Ruhrgebiet erinnern könnte. Dann ein wenig Landschaft. Die Rur ohne H ist viel schöner als die mit H. 🙂

Danach gab es ein paar schöne Bilder von neuer Energie und ihre Ausmaße. Und dann, erst danach startete der nächste Versuch. Mehr lustlos wenn ich ehrlich sein darf.

Doch es passte alles. Der Werkschutz hatte keine Einwände, die Klimaschützer hockten in ihren Unterstand. Und schauten nur böse zu mir rüber. Das Gerät der Begierde war in guter Position. Und ich aufgeregt.

Der Rest ist schnell erzählt. Fluggerät in die Luft. Mit nervösen Fingern und wackligen Knien die kleine Drohne Richtung Motiv gesteuert. Nervös und wackelig weil ich viel zu weit weg von den vorher angegeben maximal Werten war.

40 Meter hoch und max. 20 Meter von meinem Standort wollte ich nur fliegen. So hatte ich es angesagt. Es waren am Ende dann doch über 60 Meter in der Höhe und gute 130 Meter von Standort weg.

Die super saubere Luft kann einen da schon gewaltig täuschen. Das sah alles viel näher aus, als es eigentlich war. Aufgefallen ist es eigentlich nur, weil einer der Wachleute fragte, wie ich dann Teil steuer. Den er sah es nicht mehr.

Gut ich auch nicht. Flog ich die ganze Zeit nur nach dem Display vor meiner Nase. Bei 60 Meter Entfernung ist so eine kleine Drohne weg. Sichtbar weg.

Plus 100 Meter in der Waagerechten da ist auf Sichtfliegen sinnlos. Aber ich hab mich an die Vorgaben des Werkschutz gehalten. „Nicht über den Bagger“.

Am Ende war ich ultraglücklich an dem heutigen Tag mich noch einmal auf den Weg gemacht zu haben. Hartnäckigkeit zahlt sich manchmal aus. Ein klein wenig.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Kaffeespende. Den Kaffee ist der Energiespender aller Künstler in jeder Jahreszeit. Besonders für die, die keinen Alkohol trinken. Per Paypal einen Euro für einen Kaffee.