Gefroren

Viele Jahre bin ich an einen keinen unscheinbaren Schild vorbei gerauscht. Auf dem Weg in die Eifel zum Ring. Dort wo ich Jahre meines Lebens verbracht hab. Motoren, Gummigeruch, hübsche Mädchen und heiße Autos. Das Schild war da, doch es zog mich nicht in den Bann. Das änderte sich im letzten Jahr. Zu einer Zeit als Corona noch in China war. Kalt war es an jenem Tag. Kalt und regnerisch. Grau in Grau mit noch mehr grau. Das Antifotowetter, auch wenn dieses nur eine Ausrede ist. Doch mir gefiel es nicht und auch die Motive am Nürburg Ring waren nicht erwähnenswert. Leicht genervt trat ich die Heimfahrt an. Bis ich das Schild entdeckte. Und ich entschloss diesem zu folgen. Bis dahin hatte ich von einem Wasserfall in der Eifel noch nie gehört oder gelesen. Doch an diesem Tag war ich neugierig. Die Fahrt bis zum Wanderparkplatz war schnell erledigt. Der Wegweiser für den Fußweg sagte aus, dass es eine überschaubare Länge bis zum Wasserfall sei.

Und ich stapfte los. Für eine Wanderung war ich allerdings herzlich wenig vorbereitet. Nicht zu trinken, nichts zu essen, keinen Rucksack und nur Sportschuhe. Kein Wandersmann oder Frau würde so losmarschieren. Ich Jeck schon.  Am Anfang war es auch alles kein Problem. Der Weg war schön mit schwarzem Teer überzogen, genau richtig für den urbanen Cowboy mit Sportschuh. Bis zu einer Weggabelung. Der linke Weg war fast 2 Mal so lange wie der rechte. Da das Wetter nicht das beste war, die Wolken wurden immer dunkler entschied ich mich für Variante kurz. Was sich als böser Fehler herausstellen sollte. Es wurde zu einer Rutsch und Matschpartie. Regennasser Waldboden mit Wurzeln und Fels übersät ist wenig für urbane Sportschuhe geeignet. Eine Hand belegt mit der Kamera, die unter allen Umständen im Falle eines Sturzes geschützt werden muss, machte das Laufen nicht einfacher. Wobei man wirklich nicht von Laufen sprechen darf. Es war mehr ein Stolpern und rutschen. Aus heutiger Sicht war es schon fast ein kleines Wunder den Weg ohne nennenswerte Schäden gemeistert zu haben. Schuhe verschlammt, Hosen versaut, aber bei bester Gesundheit.

Als ich dann an dem Wasserfall ankam, hörten die Bodenprobleme nicht auf. 15 – 20 Meter musste ich in die Tiefe. Auf einer Naturtreppe mit schlammigem Boden. Auch nicht schön, wer aber Bilder machen möchte muss auch leiden. Beim ersten Anblick war ich, aufgrund der Strapazen, doch ein wenig enttäuscht  von dem Wasserfall. Ganz schön klein war er, oder besser ist er. Doch er hat durchaus seinen Reiz.  Ich machte Bilder, recht viele Bilder. Nur ich nahm mir keine Zeit. Hatte ich die Hoffnung vor dem Regen wieder im Auto zu sitzen. Welcher Fotograf nimmt auch einen Regenschirm mit? Was an Ende auch gelang und ein neuer „Was muss auf Fototour mit“ Punkt auf meiner Packliste auftauchte.

Im Übrigen ist diese Liste ganz schön lang geworden und findet im tagtäglichen Fototagesleben kaum noch Beachtung. immer wieder vergesse ich Dinge in den Rucksack zu packen. Getränke und die Powerbank für das Handy vergesse ich allerdings nie. Durst ist schlimmer als Heimweh. Strom auf dem Handy kann überlebenswichtig sein. Ein Schirm ist da wenige dramatisch wenn er nicht dabei ist. Im blödesten Fall fährt man halt in Unterhose heim. Fotografieren bedeutet auch Opferbereitschaft. Und eine Wortgewandtheit bei einer Polizeikontrolle. Wobei ich glaube das die Damen und Herren der Ordnungsmacht schon ganz andere Dinge gesehen haben. Ob ich mich gänzlich nackt ins Auto setzen würde, darüber hab ich mir noch nie Gedanke gemacht. Genauso wie ich nicht sagen kann, welche Auswirkung eine Sitzheizung auf den unbekleideten Hintern hat. Sollte dazu irgendjemand Erfahrungen haben 🙂

Zurück zum Wasserfall. Um den geht es hier schließlich. Wasserfall im zu milden verregneten Winter hatte ich bereits fotografiert. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen. Wasserfall im Winter bei Frost. Mir war dabei schon klar, das es nicht lang genug frostig war. Um den Wasserfall komplett vereist zu sehen. Dazu war es noch nicht lang genug kalt. Was ich dann am Ende fotografieren konnte übertraf meine Erwartung dann doch. Gefrorenes Wasser im Zusammenspiel mit fließendem Wasser bei Sonnenschein. Der Weg hatte sich gelohnt.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Kaffeespende. Den Kaffee ist der Energiespender aller Künstler in jeder Jahreszeit. Besonders für die, die keinen Alkohol trinken. Per Paypal einen Euro für einen Kaffee.