Geflügelt

Irgendwann Anfang der 1980 Jahre sah ich ihn zum ersten Mal. Porsche Turbo in tiefschwarz mit dem gigantischen Flügel hinten drauf.

Ein in Blech getriebener Traum.

Tief, breit, schwarz mit dem gigantischen Heckflügel. So stand er im sozialistischen Dresden am Straßenrand. Wir Jungen standen ehrfurchtsvoll davor und glotzten uns die Nasen platt.

Zu der Zeit war es ein Traum, der immer ein Traum bleiben würde. Keiner von uns Jungs dachte, das es keine 10 Jahre später möglich wurde. Sich den Traumwagen zu kaufen. 10 Jahre späte hätte man die Chance gehabt den Turbo zu kaufen. Wenn das nötige Kleingeld vorhanden wäre.

Mich trieb es in das gelobte Land, was gar nicht so golden war. Wie man es immer gesagt hatte. Das gar nicht so toll war wie man immer gedacht hatte. Wo Neid, Missgunst, Ellenbogenkämpfe an der Tagesordnung waren. Was aber mit bunten Lichtern und vollen Regalen in den Konsumtempeln hübsch übertüncht wurde.

Da sah ich das, der Traumwagen immer ein Traum bleiben würde. Eine Erfahrung die viele der Jungs, die sich damals die Nase an dem Turbo platt gedrückt hatten, Jahre später auch gemacht haben dürften. Nachdem ein Land ein anderes übernommen hatte. Und dieses als Vereinigung deklarierte. Heute würde man von einer Übernahme sprechen. Zwar keine feindliche Übernahme und doch eine Übernahme. Wo selbst gute Sachen geschlossen oder gar abgewickelt wurden. Doch das Ganze ist eine andere Geschichte. Und soll hier nicht Thema sein.

1994 lief im Fernsehprogramm eine Werbung von Porsche, die mich ein weiteres Leben begleiten sollte. Ein Spot, der mich geprägt hat, wenn es um Produktfotografie ging. Simpel in Schwarz weiß, ruhig und nicht reißerisch. Wo das Produkt für sich selbst spricht.

Jahrelang hatte ich das Ziel, den Wunsch, den Traum ein Bild zu fotografieren. Das sich an die Werbung des 911 anschließen lassen könnte. Ein Detail von den Turbo, welches ihn so unverwechselbar macht. Was jeder erkennt.

Doch es war nie möglich. Immer war etwas mit im Bild, welches die ganze Sache zunichtemachte. Personen, Häuser, Werbeschilder von Waschmittel und ähnlichen Zeug oder schlicht andere Fahrzeuge. Doch Geduld zahlt sich aus. Nicht immer, doch oft.

Am Sonntag bin ich auf die Idee gekommen. Altes, bunt lackiertes Blech abzulichten. Ein Fotothema welches ich in den letzten Jahren sehr selten gemacht habe. Ein Thema in dem mein Freund Günter von gk-fotos.de für mich eine Quelle der Inspiration und zugleich Vorbild ist. Kurzentschlossen ging es nach Köln zur Motorworld. Auch wenn die Ausstellung an Fahrzeugblech für mich persönlich alles andere als interessant war. Gab es einen Lichtblick.

Weit hinten in einer Ecke stand ein 911 Turbo vor einer schönen neutralen grauen Wand. Genau das Set, der Spot den ich gesucht habe. Und obwohl das Licht alles andere als günstig war. Konnte ich endlich das Bild machen von dem ich so lange geträumt hatte.

Ein Manko an den Bild gibt es allerdings. Beim nächsten Mal soll der Besitzer des Turbo. Die Karre erst einmal gründlich putzen. Der Staub versaut einem das ganze Bild.


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