Feuchte Wangen

Der Abend entwickelte sich ganz normal. So normal wie es in einer durchschnittlichen Familie es nur sein kann. Einer Familie die nur ganz normal sein möchte. Wobei man das Wort normal auch mit Bodenständig austauschen könnte.

Gedankenaustausch, mit kurzen Erzählungen über den Tag. Bei gemeinsamen zubereiten des Abendessen. So wie es in Millionen von ganz normalen Familien tagtäglich stattfindet. Und doch sollte sich der Abend ganz anders entwickeln. Den im Laufe des Familiengespräches kam die Frage nach dem Ende eines stinknormalen deutschen Krimis auf.

Nun muss der geneigte Leser wissen, dass der Verfasser dieser Zeilen. Ein Liebhaber der deutschen sowie österreichischen Krimis ist. Jene Krimis die nicht als Tatort gekennzeichnet sind. Jene Krimis wo mehr das Wort zählt, als sinnfreie Action.  Krimis die ruhig und nachdenklich erzählt werden.

Um einen solchen Krimi ging es im Gespräch. Was lag, als näher die Mediathek des TV Senders zu bemühen. Um diesen Krimi in Spielfilmlänge anzusehen. Gesagt getan, nach dem Essen schaute man sich diesen Krimi also an. Wobei ja ein Teil der Familie das Ende schon kannte.

Die Kritik aus der Fachpresse dazu „Eine besondere Stärke dieses Krimis ist, dass er sich Zeit nimmt für die privaten Geschichten der Ermittler, sie ernst nimmt und nicht nur als Beiwerk betrachtet. Das Zusammenspiel von Nora Waldstätten und Matthias Koeberlin hebt diesen Krimi der Reihe, die sich großer Beliebtheit erfreut und seine Fangemeinde verlässlich bedient, über den Durchschnitt.“ (Wikipedia)

Ja und genau diese private Geschichte in den Krimi ist das was in der allerletzten Szene des Krimis. Sich so stark von anderen Krimis abhebt.

Und wer sich auf die Geschichte einlassen kann. Bekommt eine Schlusseinstellung gezeigt in der Liebe, Trauer, Verzweiflung, Nächstenliebe und Trost in wenigen Sekunden gezeigt werden. Ruhig ohne viel Worte. Nur die Bilder sprechen die Sprache des Lebens.

Und dann kommt die Feuchtigkeit in die Augen. Kommen Gefühle in einem hoch. Erst langsam. Fast unmerklich. Am Ende mit voller Wucht. Sprechen fällt dann schwer. Die Nase läuft und die eine oder andere Träne auch.

Aber warum, fragt man sich hinterher. Man findet die Antwort recht schnell. Wenn man einen Menschen an seiner Seite hat. Den man niemals vermissen möchte. Und plötzlich spricht man innerlich eine Art Gebet. Auch wenn man nicht gläubig ist. Oder vielleicht gerade deshalb.

Gott. Mächte allen Lebens. Zukunft. Schicksal oder wie auch immer ihr genannt werdet. Erhaltet mir die Gesundheit, Liebe und Kraft meiner geliebten Partnerin. Für noch lange Zeit unseres gemeinsamen Lebens.

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