Erfahrung

Der Samstagabend war eigentlich recht kurzweilig. Und die Nacht aufregend und anregend. So könnte man durchaus der letzten 12 Stunden beschreiben. Wobei er eigentlich ganz entspannt anfing der Abend. Nach dem Familienabendbrot lagen zwei Krimis in der Playliste. Deutsche Krimis. Ja inzwischen bin ich ein Fan von Polizeiruf, Tatort, Heller, Dorn und Co geworden. Filme, wo man einfach aufmerksam sein muss. Nicht dieses stumpfe rumballere wie es uns aus Hollyschutt vorgesetzt wird. Kurzum ich war auf einen schönen Filme Abend eingerichtet. Ein leckere Radler von Gösser,  Kippchen von JPS, etwas Käse. Und dazu eine stundenlange WhatsApp Unterhaltung mit einem Freund. Alles bestens.

Wie schnell die Zeit dahin geht, merkt man bei einem solchen Abendprogramm gar nicht. Auch nicht als eine der Fellnasen kurz nach Mitternacht unbedingt aus dem Haus wollte. Jedoch an der Haustüre von ihrem Vorhaben Abstand nahm. Da es schneite. War für die nicht vorhandenen Zuschauer auch ein toller Anblick. Der Zweibeiner steht auf dem Hof und lässt sich zuschneien. Der Vierbeiner sitz in der Haustür und schaut angeekelt heraus. IHHH es ist nass. Zu diesem Zeitpunkt waren die Autos schon ganz leicht an gezuckert. Eine leichte feine Schicht Schnee lag auf Blech und Glas.

Gut der Hund wollte nicht raus und mir wurde kalt. Und so wurde das Unternehmen Gassigehen im Garten abgebrochen. Warum der Herr Hund von der Rasse ELO trotzdem unruhig blieb. Hat er nicht verraten. Nur 2 Stunden später wollte er wieder raus. Leicht angenervt zog ich mir Jacke und Schuhe wieder an und öffnete die Haustür. Und staunte nicht schlecht. 3 cm Schnee lag auf dem Hof. Herr ELO flog aus der Haustür hinaus. Ich allerdings rannte zurück. Verkehrte Welt.

Schnell war Stativ und Kamera zu einer Einheit verbunden. Die Mütze auf meinem Kopf und der Weg nach draußen angetreten. Voller Elan verließ ich das wärmende Gemäuer. Um mich in die kalte Nacht zu begeben. Während Kollege Hund voller Begeisterung durch das heimische Revier des Gartens tobte. Stand ich auf der Straße. Ich brauchte ein Bild. Nur für mich. Für das Ego. Ich richtete die Kamera aus und merkte dabei, dass es doch recht ungemütlich werden würde. Der Schnee und die Kälte waren weniger das Problem. Es war mehr der Wind, welcher doch recht stürmisch war.

Egal da muß ich durch, waren meine Gedanken. Und so war es dann auch. Es muss zu schreien lustig ausgesehen haben. Steht ein Typ mitten auf der Straße, in tiefer Nacht und versucht mit seinen Dirk Bach Körper die empfindliche Kamera ein wenig zu schützen. Ohne dabei selbst ein Teil des Bildes zu werden.

Die Fellnase hatte an der Vorstellung sichtlich Spaß. Er tobte wie ein junger Spund durch den Schnee. 10 15 Minuten später war der Spaß vorbei und es ging zurück in die Wärme. Der Hund zufrieden, entledigte sich der Schneeflocken ganz geschmeidig in der Diele. So schnell, dass ich keine Chance hatte ihn trocken zu legen. Wat für ein blödes Vieh. Hat er hoffentlich nicht gehört.

Ich dagegen stürzte zum PC. Da ich mir nicht sicher war, ob die Bilder auch etwas geworden sind. Sehen die Bilder auf dem Display der Kamera immer gut aus. Auf den großen Bildschirm vom PC erkennt man jedoch selbst die kleinsten Fehler.  Langzeitbelichtung und Wind sind eine Kombination, die selten so richtig gut ist. Doch ich hatte Glück. Alles gut, alles schick. Und so startete ich zum 2. Versuch. Ein anderer Platz wurde angesteuert. Doch der war noch mehr im Wind als der erste Fotopunkt. Dazu hatte der Wind deutlich zugelegt. Und auch der Schneefall hatte sich verstärkt. Nach 20 Minuten sah ich auch aus wie ein Schneemann mit krummen Buckel. Schließlich musst ich die ganze Zeit. Das technische Gerät einigermaßen vor der Feuchtigkeit schützen.

Wieder zurück in der Wärme war ich von den Bildern begeistert. Es hatte sich gelohnt Wind, Schnee und Kälte zu trotzen. Die Bilder waren gut.

Knapp eine halbe Stunde später schaute ich aus dem Fenster heraus. Weder die Spuren meiner Füße noch die Abdrücke der Hundetatzen waren zu sehen. Über allem lag eine geschlossene Schneedecke. Selbst die Spuren auf der Straße waren verschwunden. Und ich der Versuchung nah noch einmal raus zu gehen. Jacke, Mütze, Kamera mit Stativ in der Hand stand ich sehr zeitnah an der Haustür. Doch als ich diese öffnete, wurde das Vorhaben spontan abgebrochen. Der Wind war zum Sturm geworden. Die Flocken flogen fast waagerecht durch die Luft. Mein ultraleichtes Carbonstativ zusammen mit der kleinen Olympus MFT Kamera hätten den Sturm nicht getrotzt. Im besten Fall wären absolut unscharfe Bilder entstanden. Im blödesten Fall hätte es die Kamera erwischt.

Und so schloss ich die Türe wieder. Es muss ein Wink des Schicksal gewesen sein. Den just in diesem Moment, durfte ich etwa erleben. Was ich so noch nie erlebt hatte.

Ein Wintergewitter. Es krachte und donnerte bei Sturm und Schneefall. Ich war jedenfalls froh nicht draußen auf der Straße rum zu stehen. Konnte man nicht erkennen wie weit das Gewitter entfernt war. Und welche Richtung es nahm. Sicher hatte ich schon Gewitter fotografiert. Nur das war bei recht guter Sicht und in etwa vorhersehbar. In der letzten Nacht, war mir das Risiko einfach zu hoch.

Und so ging ich dann ins Bett. Zufrieden und durchgefroren. Und mit der alten Spruch im Kopf.

„Geht raus und macht Bilder. Nur so lernt man es.“


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