Eier

Ich sahs ausnahmsweise in der Woche bei einem ausgiebigen Frühstück. Frühstück gehört normalerweise nicht zu den Dingen, die ich gerne mache. Außer ich hab Urlaub da muss ein gutes Frühstück sein, da muss es zwingend den Tag beginnen.

Auch im Homeoffice ist ein ausgiebiges Frühstück dann doch eher von Seltenheit. Obwohl es durchaus möglich wäre, den Tag mit der wichtigsten Mahlzeit zu beginnen.

Nun ich sahs da so rum. Bei Kaffee, Brot, Wurst und Käse. Und zwei hartgekochten Eiern in ihrer natürlichen Verpackung.

Diese so muss ich an dieser Stelle zugeben, wurden nicht von mir gekocht. Was ich durchaus kann. Auch wenn ich koch technisch eher ein Anfänger bin. Es handelt sich da um die bunten fertig zubereiteten Eier aus dem Lebensmittelhandel. Morgens früh den Eierkocher zu bedienen fällt mir aber sehr schwer. Scheinbar hat die Schwere der Augenlider Auswirkung auf die Fähigkeiten der Hände.

Die unfallfrei Benutzung des Kaffeeknecht, in Zusammenarbeit mit der Kaffeetasse. Dazu der Transport des Heißgetränkes und anderer Lebensmitteln in den Garten. Erschöpft mich fast vollkommen. Da noch den Eierkocher zu bedienen, das geht gar nicht mehr. Man bedenke, dass es ja früh am Morgen ist.
Zwar brüllen die Vögel schon ihre Lieder von den Bäumen, Büschen und dem Dach. Steht die Sonne schon mehr als 1 Meter über der Horizont. Doch es ist immer noch früh. Viel zu früh für den unbekannten Bilderkünstler.

Die drei K, der geneigte Leser des Blog. Weiß worum es dabei geht. Hatte ich somit nicht in der Gänze abgeschlossen. Kaffee und Kippe musste noch auf ihren Einsatz warten. Wobei ich mir fest vorgenommen habe. Die Kippe ganz zum Schluss zu konsumieren.

Nur der Besuch im Keramikstudio war als erledigt abgehakt worden an diesem Tag.

Da Nikotin bekanntlich den Hunger zu unterdrücken vermag. Ich rauche also nur deshalb so viel. Um nicht den allseits beliebten Dirk Bach, Gott beschütze ihn auf seiner Wolke, einen schönen Schatten zu spenden. Wurde wie schon erwähnt der Kippengenuss nach hinten verlegt.

So hockte ich ganz entspannt im Garten. Das Wetter lud zu Essen im Freien ein. Nein es verpflichtet mich sogar dazu. Um mein Frühstück in ausgiebiger Form zu genießen.

Man stelle es sich vor. Der kleine dicke Glatzenmann, sitzt bei strahlendem Sonnenschein des Morgens im Garten. Vor sich ein opulentes Frühstück. Ein Bild welches es durchaus wert ist abgelichtet oder gemalt zu werden.

Einen Laptop mit zusätzlichem Bildschirm vor sich. Handys und sonstiges in greifbarer Nähe.
Um die Zeit des Kauens der zugefügten Nahrung, ein wenig produktiv zu nutzen.

Wer jetzt denkt, Ich wäre das verrückte Arbeitstier, das selbst vorm Dienstbeginn schon geschäftlich Online ist. Den kann ich beruhigen. Das Ganze war nur die Vorbereitung für einen Arbeitstag in freier Umgebung.
So ein Homeoffice gibt dazu ja die Möglichkeit. Doch das sollte man natürlich seinen Chef nicht erklären.
Hoffentlich liest der hier nicht mit. Es ist ja nicht auszuschließen das Neider mir das Homeoffice verderben möchten.

Während ich also mein Butterbrot vorbereite und der Speichel sich in der Mundhölle schon bildete. Hatte ich den Schlepptop hochlaufen lassen. Auch wenn es zum offiziellen Dienstbeginn noch Zeit war.
Zwischen zwei Bissen in das fertig zubereitet Butterbrot mit schönster Salami, hackte ich mit 2 Fingern das Passwort ein. Dann noch eines. Je größer der Arbeitgeber um so mehr Passwörter benötigt man.

Bei meinem langsam biblischen Alter braucht es da schon langsam schriftliche Unterlagen. Wo man niederschreibt, wo man welches Passwort mit welche ID  benötigt. Früher hatte das kleine schwarze Notizbuch eine ganz andere Funktion. Damals konnte man sich die Namen und Telefonnummern der holden Weiblichkeit auch nicht merken. Heute stehen da nur noch Passwörter drin. Ab und zu auch mal eine der unüberschaubaren Anzahl von PIN Nummern. Wie die Zeiten sich doch ändern.

Eine Tasse Kaffee und zwei Butterbrote später. Waren die Mails alle gelesen, teilweise auch beantwortet. In meinem runden Körper stellte sich eine Art von wohligem Sättigungsgefühl ein. Nur noch die beiden hartgekochten Eier lagen auf den Frühstückstisch herum. Und diese warteten auf den baldigen Verzehr.

Ich wollte gerade zu einem der Eier greifen, als das Handy sich übel lautstark bemerkbar machte. Mir fiel ein das ich den nervtötenden Klingelton schon lange gegen ein wenig liebliche Melodie tauschen wollte. Dabei fiel mein Blick auf die Zeitanzeige auf dem Laptop. Dienstbeginn.

Ich musste also das Gespräch annehmen. Ob ich wollte oder nicht. Schließlich werde ich auch für das Telefonieren von meinem Sklaventreiber bezahlt. In seinen Augen üppig, in meinen Augen viel zu mager. Kaum hatte ich meinen lieblichen Namen und den der Sklavenagentur, die mich bezahlt, in das Gerät namens Telefon, gesäuselt. Hörte ich die Stimme, die mir einen kalten Schauer über den Rücken brachte.
Kollegin K. War an der anderen Seite der Leitung. Die älteren Leser dieses Blog werden sich noch an ein Gespräch zwischen dieser Kollegin und mir vom letzten Jahr erinnern. Neuere Leser müssen hier nachlesen. Grob gesagt lässt sich allerdings an der Stelle behaupten. Kollegin K und Ich werden nie mehr Freunde in unserem Leben. Eine Tatsache mit der ich durchaus leben kann, die mir auch keine schlaflosen Nächte bereitet. Doch ich schweife ab.

Kollegin K fragt mich mehrere Sachen. Auf die ich so schnell wie möglich korrekt die Antworten liefere. Den ganzen Gesprächsverlauf kann ich als Gründen der Verschwiegenheitserklärung, die ich irgendwann einmal unterschrieben habe, hier nicht veröffentlichen.
Umschreiben könnte man es mit einem Gespräch vom Karl Lauterbach und Markus Lanz. Wobei ich die Rolle von Lanz übernehme. Ausreden lassen will ich Kollegin K. Einfach nicht. Um das Gespräch in der Länge einzukürzen. Man muss ab und zu diplomatisch reagieren.

Während des Gespräche hatte ich unmerklich eines der hartgekochten Eier in die Hand genommen. Um dieses auf den Tisch mehrfach aufgeschlagen, um die harte Schale zu bersten zu bekommen. Im Gespräch pellte ich das Ei dann genussvoll.
Schließlich wollte ich sofort nach dem Gespräch in den wohligen Genuss des Hühnerprodukt kommen.
Als ich plötzlich die Frage aus dem Telefon hörte.

Was machst du da eigentlich nebenbei?

Mir schossen in dem Moment 1000 und eine Antwort durch den Kopf. Sollte ich ihr wie damals wieder ein schönes Märchen erzählen? Oder versuche ich es mit der knallharten Wahrheit? Ich entschied mich für die zweite Variante.

Ich spiele mit meinen Eiern.

In dem Moment wo die Antwort auf der anderen Seite der Telefonleitung war. Wurden mir meine Worte in Gänze bewusst.

Doch bevor ich noch etwas sagen könnte hörte ich nur die undeutlichen Worte bevor die Leitung unterbrochen wurde.

Diese blöde Sau. Der hat zu viel Zeit im Homeoffice.

Wie man es macht, macht man es falsch. Dachte ich mir und verspeiste genussvoll meine zwei hartgekochten Hühnereier.

P.S. Da ich kein Bild von Eiern habe. Und ich auf keinen Fall meine Eier zur Schau stellen werde. (Wer denkt an der Stelle was Falsches?)  Müßt ihr euch mit einem Foto von Usedom begnügen.

P.P.S. Diesen Text wollte ich euch schon vor fast einem Jahr präsentieren. Jetzt hab ich ihn wiedergefunden. Die zweite Coronaimpfung hat mich ein wenig ausgenoggt. Daher muss was aus der Konservendose herhalten.


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