Besser

Herzlich willkommen zu „Neues aus der Zelle“ Meinen sinnfreien, unsachlichen und überparteilichen. Fachlich völlig falsch, übertrieben unlogisch und einseitig betrachteten Podcast. (wer es sich lieber anhören möchte, klicke hier)

Da ich nun seit Wochen in einer hübschen Zelle sitze. Hatte ich viel Zeit mir ein paar Gedanken zu machen. Thema heute.

Früher war alles besser.

Ja früher war alles viel besser, so hört man uns immer öfter reden.

Früher konnten wir auf der Straße spielen. Ja es gab einfach weniger Verkehr. Also schon mehr Verkehr schließlich hatte die Familie noch 2,4 Kinder nicht wie heute 1,2. Im Durchschnitt. Wobei es mir immer ein Rätsel bleiben wird wie man 0,4 Kinder zeugt, ich selbst hab nur 1,0 geschafft. Etwas was mir in meiner Schullaufbahn nie gelungen ist. Doch zurück zu eigentlichen Thema

Es gab einfach viel weniger Autos. Und die, die es gab waren laut und nach sagen wir es mal so, nicht geruchsneutral. Wir führen mit der Bahn, Sommer wie Winter. Wenn sie denn mal kam, also die Bahn.

Früher konnte man die Fenster in der Bahn öffnen, also nur das Obere Fensterchen. Was bei der Fahrt der Bahn ein wenig Luft in den Wagen strömen lies. Und im Sommer für eine kühle Brise sorgte. Der warme Fahrtwind der nun in die Bahn strömte. Verteilte allerdings auch den „Duft“ der menschlichen Sau 3 Reinen vor einem. Der sich scheinbar zum letzten Mal an Ostern gewaschen hatte.
Man schnappte nach Luft, möglichst frischer Luft.

Gerade als die Schleimhäute und der Magen sich ein wenig beruhigt hatte. Blieb die Bahn an der nächsten Haltestelle stehen. Der Luftzug blieb aus, der Türen flogen auf, heiße Luft Ströme herein und gleichwohl verteilte sich der Geruch, eines schweren Parfums der Dame in der Sitzreihe hinter einem.
Es ragte einem dem Atem.
Nach einer Weile mischten sich die Gerüche von der Dame mit dem von der angewachsenen Sau. Den eines war gewiss. Die beiden stiegen erst mit einem selbst aus oder führen gar weiter.
Es war ein Traum.. oder?

Im Winter änderte sich nicht viel. Gut der Typ der Seife nur aus Erzählung kannte, trug nun einen Mantel. Der für die Reduzierung seines Schweißgestankes sorgte. Selbiges galt für die Dame mit den 3 Liter Parfüm auf den Balg. Dafür hatte man eine gewisse Wärme in den Fahrzeug, die nur durch die Ansammlung von vielen Menschen entsteht. Deren Atem, und die feuchten Klamotten.
Trocken ist es im Winter meiste selten. Hinterließen eine feuchten Nebel, der sich an der Decke und Fenstern sammelte und ab und an als Tropfen herab fiel.

Zu viel Wärme und Feuchtigkeit erzielen einen Geruch, der so ein ganz klein wenig modrig wirkt. Altere Fahrgäste dürfte dieser Geruch an ihre letzte Ruhestätte erinnern haben, welche nicht mehr in allzu langer Zeit liegen würde. Jüngere hielten es schon für den Geruch des Friedhofes. Womit Ältere und Jüngere mal einer Meinung waren. Was oft nicht vorkam.

Hach, früher war alles besser. Auch wenn ich seit meiner Kindheit nie wieder Straßenbahn fahren wollte.

Ja früher war alles besser. Abends sah die Familie zusammen. Man sprach mehr miteinander. Vati bestimmte das Fernsehprogramm. Der Herr Sohn wollte lieber was anderes sehen und maulte.
Vati mahnte zur Ruhe.
Sohn wollte die Grenzen ausloten, und maulte gut hörbar weiter.
Es gab ein Wort das andere. Es wurde laut. Sehr laut.
Mutti wollte schlichten.
Vatis Hand flog als Backpfeife auf die Wange, des Sohnes Zimmertür kurz darauf ins Schloss.
Ruhe.
Mutti weinte leise.
Vati marschierte wütend in die Stammkneipe.

Hach früher war alles besser. Man Sprach einfach mehr in der Familie.

Ja früher war alles besser.
Brötchen, auch Semmel oder Schrippen genannt schmeckte besser. Sie schmeckten wirklich besser. Handwerkskunst ohne Zusatzmittel. Nur um halb 11 brauchte man nicht mehr zum Bäcker zu gehen. Da gab es keine Brötchen mehr. Ausverkauft. Die meisten Bäcker nutzen die Mittagspause, um frische Brötchen zu backen. Die es dann pünktlich ab 15 Uhr zu Erwerbern gab. Blöd wurde es nur wenn Herr Sohn oder Fräulein Tochter. Die Zeit bis zur Ladenöffnung bei guten Freunden verbrachte. Und man sich dabei ein ganz klein wenig mit der Zeit ein kleine wenig aus den Augen verloren hatte.
Wer hatte damals schon eine Armbanduhr. Und wenn trug man sie nur am Wochenende bei den Familienfeiern.
16.30 Uhr Brötchen ausverkauft.
Kind ohne Brötchen heim.
Um fünf kam Vati von der Arbeit. Es gab aber keine Brötchen. Vati sauer, weil er schon wieder nur Brot essen musste. Laute Worte, Vati in Richtung Stammkneipe unterwegs. Mutti auch sauer. Kind eine Woche Stubenarrest.

Hach, früher war alles besser. Es schmeckte besser als heute

Ja früher war alles besser. Die Familie hielt zusammen. Man traf sich am Wochenende, mit Oma, Opa, Onkels, Tanten, Neffen und was alles so zusammen gehört. Der Kinder spielten im Flur. Es gab Kaffee und Omas selbst gemachte Erdbeertorte. Später Wein und Bier für die Großen, die kleinen nur Wasser oder Limo. Die Frauen hockten in der einen Ecke die Männer in der anderen, wo später noch Schnaps auf den Tisch kam. Es wurde laut gesprochen, viel gelacht. Die Luft war Tabak geschwängert.

War der Pegel hoch wurde es lustig, war er zu hoch wurde es laut. Streit, böse Worte. Stimmung in der Bude. Die Mutti schleppten mit den Kindern Vati heim oder zum nächsten Taxistand. Mit betrunkenen Vatis fährt man keine Straßenbahn.

2 Wochen später das gleiche Spiel. Man hielt zusammen in der Familie.

Hach, früher war alles besser. Auch wenn man das eine oder andere Familienmitglied erst Monate später wieder sah.


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