B 57

Vierter Advent 2019. Schon sehr früh werde ich wach. Viel zu früh eigentlich für einen Sonntag. Doch ich hab etwas vor. Etwas das ich schon lange in Angriff nehmen wollte. Die Fotoreportage entlang der B57.

Es ist noch dunkel. Als ich den Versuch unternehme. Mit viel Kaffee irgendwie unter die Lebenden zu kommen. Nebenbei mach ich mir so langsam Gedanken. Wo gibt es entlang des ersten Abschnitt der Bundesstraße 57 interessante Motive gibt. Und wie kann ich diese gut auf den Sensor der Kamera brennen.

Zwei Kaffee und 6 Zigaretten später. Dämmert es bereits am Horizont. Ein paar wärme Textilien umhüllen meinen Körper. Sieht nicht schön aus. Ist aber zweckmässig. Und Mode ist eh nur was für Leute die kein vernüftiges Hobby haben.

Nach dem prüfenden Blick aus dem Fenster. Kann es auch schon losgehen. Kamera und ND Filter sind am Start. Stativ liegt im Auto. Der Regenschutz wird nicht benötigt.  Erste Station wird eine Eisenbahnbrücke werden. So der Plan. Die Fahrt zum Spot ist nach 5 Minuten auch schon zu Ende.

Die erste Ernüchterung des Tages ist plötzlich da. Spot gut. Motiv gut. Randbedienung schlecht. Liegt doch der Standort genau an der Einfahrt zu einem Supermarkt. Und an dem ist eine Bäckerei.

Sonntags wollen die Menschen frische Brötchen haben. Und so steht mir ständig ein Auto, Fahrrad oder Hundebesitzer im Bild. In dem Moment beginne ich zu ahnen. Das Projekt B 57 wird alles andere als einfach.

Ohne ein gescheites Bild gemacht zu haben geht es weiter. Wieder die Kamera aufgebaut. Und wieder Verkehr ohne Ende. An einem Sonntag. An dem letzten Sonntag vor den Feiertagen. Doch mir gelingt es ein Bild zu machen. Nicht ganz wie ich es mir vorgestellt hab. Doch es ist in Ordnung.

Als ich im wieder im Auto sitze bemerke ich warum auch hier so viel los ist um diese Zeit an einem Sonntag. 50 Meter weiter ist eine weitere Bäckerei. Nicht aufgeben lautet die neue Zielsetzung. Und so fahre ich weiter gen Süden.

Nächste Motiv ein leer stehendes Autohaus. Entpuppt sich als wieder aktives Autohaus. Nicht das was ich fotografieren möchte. Also schnell weiter. Die Praxis meiner Zahnärztin möchte ich nun wirklich nicht fotografieren. Auch wenn das Haus direkt an der B 57 liegt.

Spot um Spot fahre ich an. Um keine Bilder zumachen. Mal passt das Licht nicht. Mal stehen geparkte LKW im Weg, Mal gefällt mir das Motiv nicht mehr. Und dann wird die Bundesstraße zu einer Retortenstrecke zwischen Lärmschutzwällen. Ohne Gesicht oder Geschichte. Einfach neu und ohne Parkplatz. Wie alle neuen Landstraßen um die Städtchen und Dörfer neu gebaut werden.

Ich verlasse die Bundesstraße in Richtung Norden. Der neue Plan sagt. Fahr über die Kreis und Landstraßen zurück. Halte die Augen offen für neue Motive. Abseits der vielbefahrenen Bundesstraße.

Und dann bin ich vom Weg abgekommen. Es ging Nordöstlich in einen Teil von dem Erkelenzer Land. Der so typisch für eine ganze Region ist. An dem sich die Massen reiben. Aktivisten aller Art gegen den Staat.

Und so wird aus dem Projekt B57 das Projekt Erkelenzer Land. Man muß halt flexibel sein.

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