Anders

Alles war anders an diesem Tag. Kein Wecker störte den morgendlichen Schlaf. Die beiden Wuffschnutten waren auch leise. Jedenfalls teilten sie der Nachbarschaft nicht mit, wenn jemand auf der anderen Straßenseite lief. Keiner dieser zahllosen Traktoren, welche wie von der Tarantel gestochen durch die Straße fahren, weckte die  Bellfreude der Vierbeiner.

Genussvoll konnte ich den Tag beginnen. Der Kaffee schmeckte irgendwie besser, obwohl es der gleiche war wie jeden Tag. Die Zeit verging ohne Druck. Hektik war an dem Tag ein Fremdwort. Die Sonne versuchte zaghaft durch die Wolken zu schauen. Ein paar Strahlen erreichten den auf Boden zu meinen Füßen liegenden Hund. Diesem wunderschönen Collie der so ein kleiner Dickkopf ist und doch versteht, mich um den kleinen Finger zu winkeln. Einfach so ohne einen Hintergedanken dazu zu haben. Hunde sind so ganz anders als Menschen. Irgendjemand hatte mal gesagt. „Wer die Menschen kennt, wird die Hunde lieben.“ Er hatte damals schon recht.

Der Tag war anders. So ganz anders. Kein PC wurde eingeschaltet. Internet brauchte man, brauchte ich an diesem Vormittag nicht. Flimmerkiste und Radio wurden auch nicht eingeschaltet. Das einzigste, was die Ruhe unterbracht, war das Rauschen des Wassers. Als ich meinen runden Körper einer gründlichen Pflege unterzog. Zwar singe ich unter der Dusche nicht, dafür könnte ich mit meinem Stöhnen und Schnaufen. Welche aus meinem Munde fleuchen, ein wahres Musikstück aufführen. Dieses ist allerdings der unlöblichen Tatsache geschuldet, das mein Luxus Körper im Laufe der letzten Jahre doch einiges an Gewicht zugenommen hat. Das geliebte Homeoffice hat ein übriges dazu getan. Doch Arbeit sollte an diesem Tag so gar kein Thema sein.

Knapp eine Stunde später stellte ich meine Füße auf bewaldeten Boden. Nachdem ich aus dem Auto mehr gefallen als gestiegen war. Der füllige Körper und die falsche Seite des Autos. Machten mir doch mehr Mühe als ich geahnt hätte. Dabei hatte ich die Fahrt als Beifahrer mit guter Musik aus dem Radio sehr genossen. Und nun stand ich an dem Waldrand kurz vor der deutsch holländischen Grenze. Ja der Tag war anders, ganz anders.

Hatte mich doch meine Tochter zu einem Waldspaziergang eingeladen. Und ich war der stolzeste Vater, der ich nur sein könnte. Welcher Vater wird von seiner 18-jähriger Tochter zu einem Spaziergang im Wald eingeladen.

Der Tag war anders. Da stand ich nun mitten im Wald. Konnte den leicht moderigen feuchten Geruch aufnehmen. Die Luft tat sogar etwas in der Brust weh. Doch es fühlte sich wunderschön an, einfach so lebendig. Handy und Zigaretten hab ich nicht gebraucht, dafür hatte ich ein lebendiges Gespräch mit der besten aller Töchter.

Es sind diese Momente im Leben, die einfach unbezahlbar sind. Die man für immer konservieren möchte, die doch am Ende nur in den Erinnerungen überleben. Selbst wenn wir wieder einen Spaziergang im Wald machen, wird es nie wieder so sein. Wie an diesem Tag der einfach anders war. Es wird wieder schön werden, doch anders. Und es wird wieder eine Erinnerung mehr werden.

Danke mein Kind für diesen wunderschönen Tag.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Kaffeespende. Den Kaffee ist der Energiespender aller Künstler in jeder Jahreszeit. Besonders für die, die keinen Alkohol trinken. Per Paypal einen Euro für einen Kaffee.