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Seit Wochen kann sich der hochbegabte aber erfolglose Fotograf nicht so richtig durchringen. Die Kamera täglich in die Hand zunehmen. Das eine oder andere Projekt macht er schon. Doch dann darf die heiß geliebte Canon 6D MKII wieder zurück in den Fotorucksack.

Selbst das betrachten von Videos der fotografierenden Youtubern, fing an zu langweilen. Mit ihren seltsamen Meinungen, ihren ungefragten Ratschlägen und ständigen Selbstdarstellungen im  digitalen Netz. Heute so und morgen erzählen sie wieder was ganz anders.

Am Ende wurde ein Abo nach dem nächsten gekündigt. Da half auch kein Betteln nach Likes, Abos oder der Benachrichtigung bei neuen geistigen Ergüssen der besagten fotografierenden Youtuber. Tschüss Jaworski, dreh fleissig Filme über Themen die in 3000 Büchern intensiver erklärt werden. Tschüss Gawrisch, deine Werbung für Workshops und der Weg zu Selbstständigen mag für andere interessant sein. Tschüss  Grabo, es interessiert nun wirklich keinen ob du jetzt in Düsseldorf wohnst oder in Pussemuckel. Tschüss Wiesner, wenn ich dein Magazin mal am Kiosk meiner Wahl finde. Werfe ich mal einen Blick rein. Tschüss Hollywood, deine Bussinscamps braucht kein Mensch der eine klare Vorstellung von seinem Geschäft hat. Bei der Gelegenheit nimm den Masterclass Laberheini aus Norddeutschland direkt mit. Am Ende blieb nur noch einer übrig.

Durch Zufall fand ich als Ersatz, auch für das allabendliche Fernsehprogramm. Videos von Modellbauern. Modelleisenbahnern. Sie zeigten ohne permanente Eigenwerbung, ihre Moba (Modellbahn / Modelleisenbahn). Wie sie bauten, was sie für Fehler gemacht haben und was man wie machen kann. Einfach schön anzusehen. Feinstes Handwerk. Fotografieren ist auch Handwerk, keine Frage. Doch es hat wenig mit dem handwerklichen Geschick in den Fingern zu tun. Mehr mit dem Erkennen von Motiven und Ideen.

Der Virus wurde geboren. Modelleisenbahn. Das Hobby für den Winter. Für schlechtes Wetter, für die Zeit wenn es wenige neue Ideen gibt. Ein Zweithobby, bei dem ich ganz gut abschalten kann. Wo ich über dies und das nachdenken kann. Sei es Familie, Job, Gesellschaft oder gar die Fotografie. Ein Hobby was entschleunigt. Was einem vom PC weglockt.

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Meine erste Lok in Spur N.  Damals noch als Leihgabe getrant.

Und so sitze ich Sonntag Vormittag im meinem Bastelkeller , denke über die Fotografie nach. Welches Projekt lässt sich umsetzen, was braucht man oder wohin muß ich dafür fahren. Denke über die Familie nach und schüttel manchmal dabei den Kopf. Während ich beim 3 oder 8 Kaffee und Musik aus dem Radio. Schienen verlege, Weichen anlöte, Rückmeldemodule verkabel, mit Gibs Felsen moduliere, Rasen streue, mit Farbe klecker, Leim an der Hose abwische oder mich einfach erfreue wie das Ferkeltaxi seine Runden dreht.  Dann kommen auch wieder die Ideen für die Kurzkrimis und neue Bilder.

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Keine Lok sondern ein Schienenbus. Eine zweite Lok hab ich nicht.

Und während ich Modellgleisschotter 7070 neben und in den Schienen mit einem Pinsel in Form bringe. Fällt mir auf. Das die letzten Videos von Siebi, dem N-Onkel, Micha aus Rastatt und den anderen, schon länger als 4 Wochen alt sind. Weniger ist doch oft mehr.