workflow

In den letzten Tagen. Erreichte mich die Frage. Wer  den die Bilder mit mir gemacht hätte. Erst einmal war ich verblüfft. Dann irgendwo verwundert. Jedoch teile ich euch gerne mein geballtes fotografisches Halbwissen mit.

Bei keiner meiner Selfis, was anders sind es im Grunde nicht. Auch wenn sie anspruchsvoller produziert wurden. War eine zweite Person dabei. So mutig bin ich dann doch nicht. Oder noch nicht?

Am Anfang steht natürlich die Idee. So blöd oder verrückt diese Idee auch nicht. Es bedarf einiges an Vorbereitung. Im heimischen Garten weniger. Wobei darauf geachtet wird, dass die Familie nicht anwesend ist. Man möchte seine Lieben ja nicht verwirren. Oder und das ist fast noch schlimmer, die lieben Nachbarn. Und ja, sie sind alle verwirrt und vielleicht auch entsetzt. Den was sieht Familie und Nachbarn? Mich in komischer Verkleidung oder gänzlich unbekleidet und eine Kamera. Den Zusammenhang und die Bildidee erkennen sie nicht. Das würde nicht einmal ein guter Fotograf auf Entfernung erkennen.

Bei Outdoor oder anders Bilderstellung außerhalb des eigenen Grundstücks. Beginnt die Vorbereitung mit Suche nach einer passenden Stelle. Was in meinem Fall nicht so ganz einfach ist. Möchte ich doch keinen Menschen in der Nähe wissen. So eine Location für meine Zwecke zu finden ist alles andere als einfach. In Tirol bin ich an so mancher einfach vorbeigefahren. Da es zu viele Menschen in der Nähe gab.

Wenn Location und Outfit zur Bildidee passen oder nahezu geeignet sind. Geht es auch schon los.Wenn das Wetter passt. Zuerst wird das Stativ aufgebaut, möglichst so, dass mein Kfz dieses verdeckt.  Das hat mehrere Gründe. Einen relativ sicheren Fluchtpunkt. Falls doch jemand auftaucht. Die blick sichere  Möglichkeit, das Outfit zu wechseln. Der dritte Punkt ist. Eine einzelne Kamera auf einem Stativ. Zieht die Blicke der vorbei kommenden Menschen an. Besonders, wenn ich in Deckung bin. Jetzt kommt die Kamera auf das Stativ. Nun kann in Ruhe der Blickwinkel, Zeit, Blende, Iso und Weißabgleich ausgesucht und eingestellt werden. Wenn das alles erledigt ist. Kommt der Kniff an der Sache.

Die meisten modernen Kameras haben eine WIFI Funktion an Board. Wenn es nicht gerade ein Einsteigermodell ist. Diese Funktion in Verbindung mit einer App wird dann zum Fernauslöser. Am besten, so meine Erfahrung, sind die Apps der Kamerahersteller. Dazu auch noch kostenlos. Wenn das Handy mit der Kamera verbunden ist. Stellt das vorher zu Hause ein. Erspart eine Menge unnötigen Stress. Kann es mit dem eigentlichen Fotografieren losgehen.

Der kleine dicke, andere sagen fettleibige schält sich aus den Klamotten. Welche das Outfit oder die Nacktheit bis dazu verbergen. Wenn jetzt kein Fremder in der Nähe ist. Stelle ich mich ins Bild. Über die App mit Livebildanzeige. Kann ich es recht gut einschätzen, ob ich weiter weg, näher dran, rechts oder links muss. Wer jetzt auf den Auslöser auf der Handyapp drückt. Erlebt ein Wunder. Das Wunder eines total bescheuerten Bildes. Probiert es gerne aus. Besser ist es allerdings, mit 4 bis 6 Sekunden Zeitverzögerung zu arbeiten. In der Zeit sollte man versuchen das Handy aus dem Bild verschwinden zu lassen. Und dann wieder in die Pose zu kommen.

Das ist sportlich. 6 Sekunden können eine Ewigkeit sein. In der die Pose halten werden muss. Oder viel zu knapp. Ich hab es mit bis zu 10 Sekunden ausprobiert. Auslösen, Hand weglegen, Pose einnehmen und dann warten. Still stehen und warten. Das ist keine leichte Aufgabe. Auf Highheels wird es noch schwerer. Schnell fangen die Beine an zu zittern, zu schnell. Und auch Arme werden je nach Haltung plötzlich schwer.

Modell stehen ist anstrengend. Es kann bis zum Muskelkater am nächsten Tag gehen. Und es verlangt nach absoluter Körperbeherrschung. Egal ob man dünn, dick oder fettleibig ist. Inzwischen verstehe ich es noch viel mehr, wenn Models gerne sitzen oder liegen. Diese Posen sind meist weniger anstrengend.

Wenn bis jetzt alles gepasst hat. Hat Mann oder Frau selbst Divers ein Bild im Kasten. Und weil gerade kein Mensch um die Ecke kommt. Werden noch weiter Bilder in verschiedenen Posen erstellt. Wenn es richtig gut läuft. Ist sogar noch ein Outfitwechsel möglich. Dabei immer auf das richtige Fokusfeld achten. Die Kamera ist halt blöd und setzt den Schärfepunkt nicht automatisch nach.

Alle Bilder sind gemacht. Im besten Falle ein paar viele mehr. Geht es an das abbauen. Stativ mit Kamera hinterm Kfz verstecken. Und im Schutz der Kfz Deckung wieder zurück in die zivilen Textilien geschlüpft. Dann fröhlich pfeifend und mit mächtig Blutdruck durch sehr viel Adrenalin den Ort des Geschehen verlassen.

In den heimischen vier Wänden kann man dann seine Werke betrachten. Und aussortieren. Es gibt viel zum Aussortieren. Mal passt dies, mal das nicht. In meinem Fall folgt dann eine kleine Nachbearbeitung der Bildwerke. Es gibt ein Bild. Bei dem ich den Umfang des meines Bauches radikal verändert habe. Als Motivationsbild. Kann man machen. Muss man nicht machen.

Der absolut finale Schritt ist nun gekommen. Zeigt man die Bilder oder verschwinden sie dauerhaft in den digitalen Untiefen der Festplatte. Das Internet vergiss nichts. Und man muss Mut, Selbstvertrauen und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein ohne Selbstüberschätzung haben. Wenn man diesen Schritt zur Veröffentlichung im Netz geht. Schließlich können nicht nur fremde Menschen die Bilder sehen. Auch die Familie, Freunde, Bekannte und die lieben Kollegen haben die Möglichkeit die Bilder zu betrachten. Um gänzlich falsche Schlüsse zu ziehen.

Womit wir langsam am Ende dieses Artikels angekommen sind. Mir aber ein Abschlusssatz noch extrem wichtig ist.

Fotografie zeigt nicht nur den Moment des tagtäglichen Wahnsinns dieser Welt. Fotografie zeigt auch eine Illusion dem Betrachter. Fotografie gaukelt dem Betrachter einen Zustand vor. Der nicht der Realität entspricht. Fotografie kann Realität sowie Fiktion sein. Besonders in People, Akt und der Kunstfotografie ist mehr Fiktion enthalten, als in anderen Bereichen. Was man da sieht, hat wenig mit der Lebensweise, dem Modell und deren sexuellen Zuwendung zu tun.

Geht raus und macht eure Bilder. Seit auch ein wenig verrückt dabei. Ich mach jetzt Mittagspause.


An dieser Stelle freue ich mich gerne über eine kleine Radlerpende. Die Energielieferant bei schönen warmen Sommerwetter. Per Paypal einen Euro für ein Radler.


11 Kommentare

  1. Du hast mehr Talent als du ahnst.
    Da schlummert ne Menge an Kreativität!
    Nur rausgehen und Fotos machen? Nee!
    Damit ist es dann nicht getan!
    Geh den Weg noch ein Stückchen weiter, da geht noch was!
    Viele Grüße
    Günter

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  2. Danke für deine ausgiebige Schilderung Lars.
    Es wäre doch wirklich schön und wesentlich einfacher wenn du eine Person des Vertrauens dabei hättest. So würde alles schneller vonstatten gehen und du hättest in brenzligen Situationen jemanden dabei.

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    • Das ist wohl richtig. Als Sicherheitsmensch vollkommen in Ordnung. Als Bildermacher? Jein. Den ich wäre nur Model und nicht Bildermacher. Letzteres ist mir aber sehr wichtig. Schwierig zu erklären. Ich geb wohl nicht gerne die Kontrolle ober die Bildidee in fremde Hände. Wenn jemand anders eine Idee hat und ich dabei als Modell fungieren soll. Ist es was anderes. Is komisch.

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