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Das Blatt hat sich gewendet


Viele Jahre bin ich jetzt in der Peoplefotografie unterwegs. Und es gab Zeiten da waren die Bilder weniger gut, sowie es auch Zeiten gab. In denen gute bis sehr gute Bilder den Weg auf die Festplatte gefunden haben. Und wie fast alle Neulinge in der Peoplefotografie hab auch in am Anfang ein paar Fehler gemacht.

Das beste Beispiel möchte ich hier kurz beschreiben:

Als Neuling findet man kaum Models. Welche ein TFP Shooting im Bereich Akt für einen Fotografen anbieten. Um dennoch Bilder zu machen, Erfahrungen zu sammeln und sicheren im Umgang mit Modell und Technik zu werden. Buchte ich Pay Shootings oder besuchte Sharings. Ich bezahlte also das Modells sich vor meiner Kamera auszogen, damit ich sie nackt fotografieren konnte. Bis hierhin eigentlich alles gut, alles im grünen Bereich. doch dann gab es den entscheidenden Fehler. Bilder die das Modell, welches ja bezahlt wurde, gut fand. Hab ich ihr geschenkt. Quasi wurde das Modell in dem Moment zum zweiten mal bezahlt. Am Anfang meines Werdegangs hab ich mir über dieses Vorgehen gar keine Gedanken gemacht.

Im Gegenteil, war ich doch froh und stolz. Wenn das Modell die Bilder für ihre Setcard verwendete. Am Anfang waren es mal ein oder zwei Bilder. Was sich dann langsam und stetig steigerte. Und irgendwann war der Moment gekommen, in dem ich das Modell nicht nur doppelt bezahlt habe, sondern um ein vielfach mehr.

Resultat war. Die Anfragen über Pay Shootings, also wo ich das Model zahlen sollte. Wurden immer mehr.

Dann gab es irgendwann den Zeitpunkt wo sich die ersten TFP Shootings entwickelten. Es gab also keine Euros für das Model mehr. Sondern ich hab mit Bildern bezahlt. Und auch hier wurden von 2 bis 5 Bildern am Anfang, die Anzahl von Bildern immer größer. Das ganze endete in der Wahnsinnssumme von über 40 Bilder, bei 2 Modellen. In einem Shooting wurden die Bilder für 3, in Worten drei, Fotokalender produziert. Gehen wir mal von einen Bild Preis von ca 29 Euro aus. Wie ich auf diese Zahl komme, erkläre ich später im Text. Hab ich ein Shooting im Wert von 1.160 Euro verschenkt. Dabei sind die Kosten für das Studio sowie den Modell Hol und Bringdienst noch gar nicht eingerechnet.  1.160 Euro verschenkt. Einfach so. Und weil das ja so schön war. Wurde dieses im Jahr danach noch einmal wiederholt.

Falls jetzt jemand auf den Gedanken kommt, nein ich habe von dem Kalender kein Exemplar für mich bekommen. In beiden Jahren nicht. Bilder für 6 Kalender und ich hab nicht einen. Respekt für ihre Blödheit Herr Fotograf.

Nebenbei erwähnt: Die Modelle sind hinterher zu einen Fotografen gegangen und haben für ein Shooting bezahlt. Bei mir wurde nicht angefragt. Und die Kalender sind in ihrem Freundeskreis sehr gut angekommen. Ich war nur der Depp der für kostenlose Großprojekte in Frage kam.

Um es kurz und knapp zu sagen. Meine Bilder wurden immer besser, die Projekte immer ausgefallener. Mein Marktwert sank immer mehr in den Keller. Das ganze endete damit, das ich eine Zeitlang die Kamera zur Seite legte.

An der Stelle ist es Zeit über die 29 Euro zu sprechen.

In jeden modernen Shoppingcenter oder auch Shoppingmal genannt. Gibt es ein Fotostudio. Für allerlei Dienstleistungen, von Baby über Portrait bis zu Erotikaufnahmen. Ist alles dabei was der Kunde sich so wünscht. Die Preise sind dabei verlockend.

 

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Ein Angebot schlecht hin. 39 Euro für ein Bild. Shootingzeit stolze 30 Minuten und 30 Minuten MakeUp Zeit. Ich habe bei den von mir verwendeten 29 Euro das MakeUp abgezogen und den Print. Der übrigens weit unter einem Euro kostet, wenn man die gängigen Bildgrößen von 9 *13 oder 15 *20 cm nimmt. Da bewegt man sich im Centbereich. Bei zwei Outfits liegt es an dem oder der Kundin wie viel am Ende von den 30 Minuten noch übrig bleibt. 60 Bilder in 30 Minuten  sind aller 30 sec ein Bild. Unterschiedliche Beleuchtung und verschiedene Sets sind ausgeschlossen.  Und am Ende gibt es ein einiges Bild. Und kein Wort über eine Nachbearbeitung der Bilder nach dem Shooting. Das gibt es nicht, oder es werden simple Filter über die Bilder gebügelt. 29 Euro sind da schon schön gerechnet.

Doch zurück zu meinem Problem.

Für ein Kurzshooting im Fließbandfotostudio hatten meine Models als die Kohle übrig. Für eine kleine Aufmerksamkeit für mich nicht. Da stimmt doch irgendwas am System nicht. besonders wenn dann nach jedem Shooting die Aufforderung an mich kommt, doch gefälligst alle Bilder heraus zugeben. Und diese vorher auch noch zu bearbeiten. Bei einem 3 Stunden Shooting kommen so in der Regel 150 – 200 Bilder zusammen.  150 Bilder  mal die oben erwähnten 29 Euro macht das sumasumarum  4.350 Euro . OHNE Studio und Fahrzeitkosten.

Machen wir die Gleichung einmal rückwärts. Im Durchschnitt verlangen Models für Akt oder Teilakt 50 – 80 Euro / Stunde . Für unsere Gleichung mit einer Unbekannten nehmen wir 60 Euro / Stunde. Bei einem Bildpreis von gerundet 30 Euro. Tataaaaaa. 2 Bilder pro Stunde wären ein angemessener Preis. Bei einem 2 oder gar 3 Stundenshooting wären das  4 bzw 6 Bilder. OHNE  Nachbearbeitung. Die verbreitete Meinung vieler Fotografen, TFP wird mit 3 – 5 Bilder beglichen, ist also eine nicht überzogene Forderung.  Es ist eine WinWin, da jede Partei ihre Kosten selbst decken darf. Die meisten Fotografen sind dabei noch so nett und reichen den Modells noch Getränke oder kleine Snacks.

Kein Modell dieser Welt ist somit eigentlich berechtigt, immer wieder nach allen Bildern Forderungen zu stellen. Wenn der Fotograf mehr als 10 Bilder fertig macht und dem Model gibt. Ist sie mehr als fürstlich entlohnt.

An der Stelle auch ein Wort an die Kollegen hinter der Kamera. IHR bekommt nichts aber auch gar nichts geschenkt. Oder gar ein kostenloses Shooting mit dem Modell, wenn ihr alle Bilder bearbeitet und dem Modell kostenlos zur Verfügung stellt. Eurer Marktwert fällt mehr als er steigt. Macht Euch mal Gedanken darüber.

Kommen wir zum Payshooting. Eingangs erwähnte ich, welche Vorgehensweise ich als Neuling an den Tag gelegt habe. Modell bezahlt, Studio bezahlt und hinterher auch noch die Bilder zur Verfügung gestellt. Es gab sogar auch den Fall das ich einen Fahrtkostenzuschuß bezahlt hab. Der war sehr gering, doch er war in Rechnung gestellt worden.

Jeder Fotograf und da nehme ich mich nicht aus. Sollte sich beim Thema Fahrtkostenzuschuß mal an die Stirn greifen. Glauben die Modells eigentlich nur sie hätten Fahrtkosten? Die meisten Modell machen den ganzen Spaß nebenberuflich. Nur wenige sind Hauptberuflich unterwegs. Stellen unsere vermeindlichen  „Top“ Nebenverdienstmodell ihren eigentlichen Arbeitgeber. Egal ob Bäckermeister, Rechtsanwalt oder Bankenvorstand, ihre Anfahrt zur täglichen Arbeit auch in Rechnung ? Oder ist es dem Arbeitgeber schnurzpipegal, welche Kosten das Personal hat. Um Tagtäglich ihren Job zu erfüllen? Ich glaube es kaum, nur warum bezahlen dann Hobbyfotografen einen Fahrtkostenzuschuss? Leute habt ihr zuviel Geld ? Oder jucken Euch die Eier wenn ihr ein schönes Modell seht?

Fahrtkosten sind eine verdeckte Preissteigerung. 80 Euro/Stunde plus Fahrkosten summieren sich ganz schnell auf 100Euro/Stunde. Gleiches gilt allerdings auch für die oft genannten Übernachtungskosten. Auch wenn ich mich jetzt bei einigen unbeliebt macht. Mir ist es wurscht wo und wie das Modell die Nacht verbringt. Solange sie pünktlich und top vorbereitet am Set erscheint. So wie es auch von mir erwartet wird.

Interessant bei den Thema Modellgage ist dabei auch noch ein kleiner rechtlicher Aspekt. wer von Euch Fotografen hat von dem Modell eine Rechnung bekommen? Mit Ausstellung von Fahrtkosten / Übernachtungskosten der Gage und dem ausweisen der Mehrwertsteuer, bei gleichzeitiger Angabe der Steuer und Finanznummer? Wie jetzt ? Keiner ?

Modells mit Gewerbeschein müssen ihre Einkünfte aus den Shootings als Gewerbeeinnahmen versteuern. Bis 17.500 Euro pro Jahr können sie auf die Einnahmenüberschußrechnung verzichten. Und meist ist bis dahin das Finanzamt noch gnädig und verzichtet auf Gewerbesteuern. Danach wird es allerdings ein steuerpflichtiges Einkommen. Das mit Rechnungen belegt werden muß. Ansonsten droht das Finanzamt mit einer Steuerschätzung. (Steuerberater dürfen mich gerne an dieser Stelle berichtigen, wenn da was falsch ist)

Im übrigen hab ich noch nie ein hauptberufliches Modell erlebt, welches Fahrt und Übernachtungskosten verlangt. Bei den Mädels und Jungs ist die Kalkulation der Stundenpreise sehr realistisch inkl Nebenkosten.

Die vermeindliche „top“ Nebenberuftsmodells sollten sich mal ein paar Gedanken über ihre Preispolitik machen. Fahrtkosten/Übernachtungskosten, die Gage und was sie sonst noch so verlangen. Sind auch bei nebenberuflicher Tätigkeit Einkommenssteuer pflichtig.

Ich möchte jetzt keine Debatte über Steuern, Einkommen oder Gagen in Gang setzten. Ich möchte den Modells nur den Hinweis auf dem Weg geben. Das sie sich mit ihren Kosten recht weit aus dem Fenster lehnen. Klar ist auch, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis.

Doch zurück zum eigentlichen Thema.

Mit einem Modell gab es ein Pay Shooting. Für mich inzwischen ein klarer Fall. Ich zahl und sie bekommt Geld. Shooting sauber abgewickelt. Gut über die Gage war im Nachgang nicht zu Meckern. Wer Freizügigen Akt bucht und nur klassischen Akt macht, muß halt mehr zahlen. Hätte man ja anders buchen können. Shooting vorbei, Vertrag auf den Tisch, unterschreiben, hier das Geld. Kurzer Smaltalk und tschüssi bis zum nächstenmal.  2 Tage später habe ich dann ein Bild aus den Shooting veröffentlicht. Oh hilfe das kam auch bei dem Model gut an. So gut das dieses sofort nach den Bild fragte. Und ob es noch mehr in der Art gäbe.

Ja gibt es liebes Modell. ABER NICHT FÜR DICH. Denn du wurdest für den Job bezahlt. Punkt. Möchtest Du ein oder sogar zwei Bilder haben. Dan stell ich sie dir gerne für den Betrag von 10 Euro in Rechnung. Bei beiderseitigen Verwendungsmöglichkeit. Sprich du und ich können diese Bilder frei verwenden. Ohne kommerzielle Verwendung. Möchtest du die Bilder nur alleine verwenden kostet das Bild 20 Euro. Möchtest du es an Bildagenturen verkaufen, erhalte ich 50% deines Erlöses.

Den inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Auch wenn ich damit nicht so ganz glücklich bin. Das jedoch werde ich in dem nächsten Artikel erläutern.

Faires miteinander von Fotografen und Modells sollte doch möglich sein. Leben und Leben lassen. Fotografen die ihre Bilder bei Pay oder TFP Shootings in Massen an die Modell rausgeben. Haben keine Vorteile. Im Gegenteil der Marktwert sinkt und sinkt. Modelle die überzogene Vorderungen haben, werden auf Dauer keine Jobs mehr bekommen. und wenn dann nur von Fotografen die mangeldes Talent mit Bargeld aufwerten müssen.

ich für meinen Teil, habe meine Lektion gelernt. Auch auf die Gefahr das ich jetzt weniger Anfragen bekommen werde. Bei ein oder zwei Modellen werde ich die berühmte Ausnahme der Regel machen. Einfach weil die Arbeit mit dem Typ Mensch zu schön ist.

Es geht mir nicht ums Geld, bei den gerade genannten Menschen, steht der Spaß und die Freunde bei Shooting im absoluten Mittelpunkt.

Für alle anderen, wird es demnächst eine kleine Preisliste hier auf der Homepage geben. Ansonsten bleibt mir am Ende nur zu sagen. Man kann über alles reden, und es gibt für vieles eine Lösung.

zB. das es nach einem Pay Shooting. Aus dem das Modell dann doch das eine oder andere Bild haben möchte. Man ein Nopay Shooting anschliessen lässt. Der Möglichkeiten sind viele gegeben

 

 

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5 Kommentare zu „Das Blatt hat sich gewendet

Gib deinen ab

  1. Lieber Lars,

    du hast das Thema wieder einmal treffend beschrieben.
    Ich muss gestehen, ich hab bisher nur gezahlt da ich mehr als No-Name bin und das
    für mich eben die einzige Möglichkeit ist in diese Geschichte reinzuschn…ääääh fotografieren.
    Meine Erfahrungen dazu sind eigentlich recht positiv. Ich konnte für mich einiges mitnehmen
    und es hat mir einfach Spaß gemacht.
    Die letzte Zeit ist es allerdings etwas eingeschlafen und das liegt auch daran dass die Preise
    teilweise echt unverschämt geworden sind. Besonders wenn man im nachhinein, trotz Vertrag, aufgefordert
    wird die Fotos nicht öffentlich zu zeigen.
    Klasse finde ich die Fairness und Leben und Leben lassen.
    Ich hab den Eindruck dass es nur noch um Geld, Geld, Geld geht.
    Für mich ist die ganze Sache einfach nur ein Hobby und bei den Shootings steht Spaß und lernen im Vordergrund.
    Wenn ich dabei auch noch gute Fotos bekomme, dann freut mich das.

    Ob dein Bericht so gelesen und auch so verstanden wird, wage ich echt zu bezweifeln.
    Dafür gibt es einfach zu viele „Profis“ die das einfach anders sehen.
    Hauptsache die Likes stimmen und die Anerkennung….
    Aber auch da sage ich, jeder so wie er möchte.
    Vielleicht sind solche Geschichten mit deinen Erfahrungswerten einfach auch die Nachteile der digitalen
    Fotografie? Das Handwerk als solches ist wohl Geschichte.
    Jeder nennt sich Fotograf und fühlt sich auch so….

    Trotzdem, immer gutes Licht und ich freu mich einfach auf die kommenden Berichte!

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag!
    Günter

    1. Hallo Günter,
      ja leider scheint es sich nur noch ums Geld zu drehen. Leidenschaft und Hingabe ohne den finanzellen Hintergedanken ist zu einer Seltenheit geworden. Das ist leider nicht nur in der Fotografie so. Das zieht sich durch das ganze Leben. Bei dem Gedanke, verzeih mir meine Wortwahl, könnte ich nur noch kotzen. Du kannst dir sicher sein, das auch ich das ganze nur als Hobby betrachte und weiter betrachten werde. Ich werde aber durch die Art und Weise einiger wenn nicht vieler Models. Zu den Schritt gezwungen. TFP Verträge knallhart zu formulieren oder gar nur auf Pay Basis zu arbeiten. Gefallen hab ich keinen daran. Steht doch eigentlich bei mir. Meine Art von Kunst in Vordergrund.
      Viele liebe Grüße zurück.
      Lars

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