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Der Ring ruft, die Wade schreit


So oder ähnlich könnte man den heutigen Tag in wenige Worte zusammen fassen.  Doch eigentlich war vieles ganz anders geplant und doch nicht.

Samstag morgens klingelt der Wecker zur unchristlichen Urzeit von 6 Uhr. Der hochbegabte aber erfolglose Fotograf hat die ehrenvolle Aufgabe das Kind des Hauses, tief in die Eifel zur Probe des Orchesters zu fahren. Und irgendwer hat gedacht , an einem Samstag könnte man schon gegen 9 Uhr die Instrumente toll erklingen lassen. Naja egal, jedenfalls seinen Väterlichen Pflichten kommt der Fotograf gerne nach, jedenfalls wenn es als Taxi Papa in die Eifel gehen soll. Und weil das Kind ja irgendwie zurück kommen muß, ist der Tag als Eifel Foto Tag verplant.

Pünktlich um 8.30h wird das Kind in Bad Neuenahr bei schönsten Eifelwetter aus den Auto geschubst. Sonne pur. Geilomat.

Recht zügig lenke ich also mein Gefährt in Richtung Adenau. Der Ring ruft halt. Da muss man dem Ruf schon folgen. Besonders weil das schlaue InterNet vermeldet hatte, es gibt ein Autorennen im Amateurbereich. Hobbyrennfahrer, aber die richtig guten, dürfen ihre Autos um den Ring jagen.  Genau das Richte für alle Zeiten. Hobbyrennfahrer wird von Hobbyfotograf abgeschossen. Besser kann es ja eigentlich nicht sein.

Das schöne an dieser Rennserie ist. Die Zuschauerplätze sind nicht überfüllt und an den wenige guten Fotospots muß man nicht schon morgens um 6 vor kälte zittern.  Das ich allerdings einen Parkplatz in bester Güte und kurzen Weg bekomme. Grenzt schon fast an ein Wunder und wird mir später sehr behilflich sein.

Und so wird der Rucksack geschultert und los geht es an die Rennstrecke. Nach wenigen Höhenmetern hab ich kurz keine Lust mehr. 2 Kameragehäuse, 4 Linsen, Verlaufsfilterset, Rauchwaren, Getränke für die nächsten Stunden und anders Zeug. Was man meint, man müßte es unbedingt mitschleppen. Geben mir das Gefühl, ich hätte einen Kieslaster auf den Schultern hängen.

Und so drossel ich mein Lauftempo um der oller Nikotinlunge, die Möglichkeit zu frei werden geben kann. Klappt wunderbar und reduziert den Bedarf an Rauchwaren. Unten auf der Strecke, ich lauf auf dem Weg der immer ein wenig höher ist. Ist das Einsteigerrennen schon im vollen Gang. (Für Kenner : GLP). Nach 10 Minuten reiche ich, vollkommen außer Atmen, den ersten Spot. Sonne im Rücken, Licht auf der Rennstrecke. Das passt schon einmal wunderbar. Nur der Standpunkt ist viel zu hoch. Selbst mit der dicken Zoomlinse. Aber zum Testen meiner Kamera, ist es perfekt.

Überall steh schliesslich geschrieben das die Canon 6D und auch die 6D MKII für Sportaufnahmen zu langsam sein. Und nur aus dem Grund schlepp ich die gute alte Canon 70D noch mit mir rum.

Schlussendlich hab ich die 70D vollkommen umsonst mitgeschleppt. Die 6er macht bei mir tadellos gute Bilder. Und der Fokus passte fast immer. Und da wo er daneben lag. War mehr das Problem hinter dem Sucher zu suchen.

Nach 20 Minuten ging es für mich weiter den Berg rauf. Kenner des Ringes sei kurz mitgeteilt. Das ich mich auf dem Weg von der Breidscheider Brücke entgegengesetzt der Fahrtrichtung mühsam  Richtung Adenauer Forst bewegte.

Immer schön an der Strecke lang ging der Weg, dabei hab ich natürlich nach den nicht öffentlichen Fotostellen gesucht. Nach dem Spot den nicht alle haben. Den Spot zu finden den noch keiner hatte, den darf man gerne als Traum aus 1000 und einer Nacht abheften.

Mühsam, ja das sagte ich schon, will aber ein wenig um Mitleid betteln, inzwischen mehrfach, schnauffe ich den Weg entlang. Irgendwann erreichte ich dann Metzgesfeld. Mhh schöner Bild auf die Strecke, leider von oben und die Sonne stand inzwischen ungünstig. Egal. Erst einmal ein paar Bilder machen, etwas trinken und mit den Göttern der Eifel und der Grünen Hölle eine Friedenspfeife rauchen.

Schön warm war es in der Sonne inzwischen. Und es war, nachdem die erste Hobbyrennfahrer ihr Rennen beendet hatten. Auch schön still. Wenn man den Krach von heimischen Vogelarten abzieht. Und weil das halt Natur ist, ist es schön still.

Ich wandere weiter an der Strecke entlang. Immer den Blick auf den Zaun gerichtet und vielleicht eine Lücke zu finden. Und fast wäre ich an einer vorbei gelaufen, wenn da nicht ein bunter Strick an einen Ast gehangen hätte.

Und so schlage ich mich durch das Eifelgestrüpp und finde eine Stelle die recht gut ist. Sehr nah dran, sehr gefährlich nah dran. Und zum fotografieren nicht gut geeignet. Ich verweile ein wenig an dem Spot. Um die Umgebung näher zu erkunden. Ein alter Baumstamm wäre ein idealer Tritt um ein wenig höher zu kommen. Und der ist auch vorhanden. 5 Min später zieh ich dann doch weiter, hier her zurück kann ich ja immer noch.

Bis weit in den Adenauer Forst für mich mein Weg. Der dann doch zu Ende ist. 4 Leitplanken übereinander an der Kurvenaussenseite mit einem Abgrund im Rücken, ist nicht wirklich schön. Und vor allem unsicher.

Nach dem Blick auf den Handgelenkzeitmesser, beschliesse ich zu den letzten Spot zurück zu wandern. Da angekommen, betätige ich mich erst einmal als Landschaftsgärtner und entferne ein paar tote Zweige von den Buschwerk. Genau die Dinger die immer im Bild sind.

Den Baumstamm leg ich mir auch ein wenig zurecht. Und der Info aus dem InterNet macht mir noch ein wenig Bedenken. Den der Streckenabschnitt soll sehr schnell sein. Und es ist nicht gelogen, was da im InterNet steht. Wie ich später erfahren durfte.

Aus der Ferne hört man dann die Geräusche der Rennmotoren langsam lauter werden. Doch irgendwas passt nicht. Die Geräusche werden zu schnell laut und auch der Klang ist weniger der von Hobbyrennfahrerautos.

Und wie ich den Kopf über die Leitplanke inkl. Kamera vorm Auge hebe. Erkenne ich was da angeflogen kommt. Alles nur kein Amateurgerät. Sondern Profiklasse mit Profipiloten an Board. Und scheisse , sorry für die Wortwahl aber ein anderes passt da wirklich nicht, scheisse schnell.

Die ersten Bilder sind Schrott. Unscharf oder abgeschnitten. Ich schraube kurz an den Einstellungen, ISO hoch, Blende zu  und schon klappt es ganz gut. Und weil es gerade so einen Spaß macht, lehne ich mich an den Zaun an. Um noch einen besseren Winkel auf das Renngerät zu erhalten.

20 Bilder später dringt ein merkwürdiges Geräusch an meine Ohren, ich dreh mich um. 50 Meter weiter läuft auf der anderen Seite ein Streckenposten wild winkend auf mich zu. Vollkommen in Fotolaune , muß ich mich wohl ein wenig zu weit über den Zaun gelegt haben.

Ich winke zurück und tauche ab. Wobei ich die Hoffnung hab, er verzieht sich und ich kann nach einer Pause wieder anfangen Bilder zu schiessen. Doch diese Hoffnung wird jäh zerstört als ich sehe, wie der dienstbeflissende Streckaufpasser sein Handy zückt. Ich hab schon eine Vorstellung was er da gerade meldet.  „Da hängt ein irrer halb auf der Strecke, der muss da weg. Den muss man verhaften, verurteilen, lebenslang einsperren“.

Mann bleib mal locker, ich mag auch noch ein wenig länger weiter über diesen Planeten eieren. Ich mach doch nur ein paar Bilder.

Ich beschliesse dann doch den Rückzug anzutreten. Man muss es ja nicht auf die Spitze treiben. So pack ich die Kamera wieder ein, räume meinen Müll auf. Der Umwelt zuliebe und wandere langsam zurück Richtung Metzgesfeld.

Kaum bin ich auf dem Weg , seh ich auf der anderen Seite ein Sicherungsauto vom ADAC über die Feldwege rumpeln. Oh mein Gott, die suchen mich wirklich. Wenn sie mich ansprechen, werde ich alles leugnen und ihnen die Bilder von Shooting mit Sandra zeigen. Aber nur die schlechteren der guten Bilder. 🙂

Knapp eine Stunde mach ich dann noch Bilder von den offizellen Spots. In der Zeit taucht doch tatsächlich der Suchtrupp ganze 20 Meter vor mich auf. Ich hätte zu gerne den Weg erfahren den die gefahren sind. Für den Fall das man mal mobil unterwegs ist 🙂

Tja und was soll ich sagen. Kurz bevor ich wieder an meinem Auto angekommen bin. Fahren dann doch die Hobbyracer der RCN ihren ersten Lauf 2018. Ich bin zu diesem Zeitpunkt leider an einen vollkommen doofen Stelle unterwegs. Doch besser ein langweiliges Foto, als gar keines.

Auf dem weg nach Hause, fällt mir dann noch ein Spot ein. Den hab ich schon sehr häufig genutzt. Doch ich finde ich immer noch gut. Und so steuer ich den Streckenabschnitt Hocheichen an.

Es ist einer dieser offiziellen Plätze. Wo mein eine rechteckige Öffnung in den Zaun geschnitten hat. Damit die Fotografen nicht ständig den Zaun im Bild haben. Das schöne an diesem Spot ist. Die Öffnung ist sehr tief, für mich Minisachsen ideal. Und dazu etwas größer in der Höhe als andere.

Und so kann ich erst die Kamera durch die Öffnung stecken, dann den Arm und die Schulter. Zum Schluss passt auch noch der Kopf durch. Freie Sicht auf die Strecke. Heute hab ich auf dieses Manöver allerdings verzichtet.

Man kann ja mit dem Feuer spielen, doch man muß höllisch aufpassen das man sich nicht verbrennt.

Zum Glück hab ich das Lappi mit in die Eifel geschleppt und kann Euch hier im Anschluss ein paar Bilder zeigen. Der Rest kommt dann irgendwann mal 🙂

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3 Kommentare zu „Der Ring ruft, die Wade schreit

Gib deinen ab

  1. Ich lach mich gerade so richtig weg!!!
    Du hast mal wieder einen klasse Artikel zusammengezimmert!
    Dazu noch von meinem zweiten zuhause, echt klasse.
    Zu der Geschichte mit den Sportwarten (Streckenposten) werde ich dir beim nächsten Treff mal was erzählen.
    Du hast unter Garantie ne Menge Wirbel verursacht! Nach dem Unfall vor Jahren wo ein Zuschauer ums Leben gekommen ist, wohl normal…..
    Die Scheisse-Schnellen Racer war in der Quali zum 24h-Rennen unterwegs aber ich denke mal das wusstest du.
    Dort fahren Profis und auch Amateure und das richtig schnell, denn das ist der Sinn der Übung.
    Ich bin mal auf deine Fotos gespannt!
    Meine paar aus der VLN 2017 sind auf meiner Seite jetzt Online……….
    Vielleicht schaffen wir mal einen Waden-Krampf-Rundgang zusammen. 🙂
    Schönen Sonntag!
    Grüße
    Günter

    1. Hallo Günter, ich hatte wirklich keine Ahnung was da so außer RCN am Ring läuft. VLN seh ich mir ab und zu ja gaz gerne an. Aber einen wirklichen Plan hab ich nicht.
      Ich kann mir auch vorstellen das die Streckenposten richtig reagiert haben.
      Selbst bin ich ja auch mehr auf die Sicherheit bedacht.
      Doch irgendwie wird man scheinbar ein wenig leichtsinnig wenn man die Kamera am Auge hat.

      Liebe Streckenposten …. kommt nicht wieder vor. Versprochen.

      VG Lars

Und was sagst du dazu :)

von Anders Noren.

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