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Gedanken über den Besuch auf Rügen

 

Prora Luxus verdrängt Geschichte und Menschen

Lange Zeit gab es kaum Hinweise oder Bilder von dem KDF (Kraft durch Freude) Bad Prora. In der DDR wurde dieses gigantische Bauwerk aus der Zeit der NSDAP der Bevölkerung nahezu totgeschwiegen. Nur die Angehörigen der NVA, Polizei und der Stassi kannten das Gebäude. Die Einwohner von Rügen hatten zwar die Kenntnis doch bis in den Süden der DDR war wenig von dem Komplex bekannt.

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Luxuswohnungen ab 285.000 Euro für 85qm. Soweit das Auge reicht in Prora. Und es wird weiter gebaut.

In Prora und auch Binz ist das was ich gerne als Turbokapitalismus oder Turbotourismus bezeichnen möchte. Sicher kann man ein Objekt wie das KdF Bad nicht einfach den Verfall preisgeben, wie es viele Jahre nach der Wende gemacht wurde. Aber man kann auch das nicht machen was im Moment gemacht wird. Jedenfalls nicht so, meiner Meinung nach.

Doch was wird in Prora eigentlich gemacht. Die einzelnen Blöcke der Anlage wurden vom Staat an Investoren verkauft. Und diese wollen so schnell wie möglich das große Geld machen. Und so werden die Blöcke von dem Objekt sehr schnell sehr aufwendig und sehr teuer modernisiert, aufgewertet und zu Luxusobjekten gemacht. Mit eigenen Shops, eigenen Flaniermeile und eigenen Parkhäusern. Mit Zufahrtschranke und Wachdienst. Und einem Besucherparkplatz weitweg. Dazu einen Zaun um den Wald vor dem Strand. Wenn sie dürften würden sie den Strand auch noch für die oberen 10.000 mit einem Zaun abgrenzen.

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Irgendwann wird auch der Teil zu einer Shoppingmail mit Geschäften von Wallenstein und Jack Wolfskin. Aldi und Lidl wird man vergeblich suchen.

Alles schön und gut. Das Objekt wird schöner,moderner und netter anzusehen. Doch es hat auch einen Nachteil. Es ist nicht mehr für die Bewohner von Binz und Umgebung, den Mitarbeitern der Hotels und Geschäfte zu bezahlen. Luxus kostet.

Prora steht jetzt hier nur als ein Beispiel was sich aber tausendfach auf den Ostsee Inseln in Mecklemburg-Vorpommern wiederholt. Es werden Ferienanlagen gebaut, größer teurer besser luxuriöser. Alles für den Tourismus. Aber nichts für das ganze Personal was den Urlaubern die Zeit an der See  so erholsam macht.

Sicherlich bringt der Tourismus der Region Arbeitsplätze. Damit auch Kaufkraft und Wohlstand. Doch zu welchem Preis.

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FKK am Strand der Luxuswohnung. Früher zog nur der Osten blank, im Westen war es verpöhnt. Außer der Westdeutsche war im Ausland am Mittelmeer. Nur im eigenen Land, durfte das nicht sein.

Junge Familien müssen aufs Festland ziehen um noch bezahlbaren Wohnraum zubekommen. Geisterorte wenn die Besucher weg sind. Verstopfte Straßen an den Wochenenden. Müllberge und andere unschöne Begleiterscheinung. Alles nur für den Tourismus.

Die letzten Musen und Ausstellungen werden im laufe der Zeit auch noch aus Prora verschwinden. Den wer von den Besitzern der Luxuswohnung mit Sauna und Dachtterasse möchte als Nachbarn ein Museum über die Zeit der NSDAP oder der NVA.

Auf den Ostsee Inseln sind die gleichen Zustände erreicht wie in Sylt oder auf Mallorca. Will der einfache Tourist das ? Will er wirklich für jeden Parkplatz tief in die Tasche greifen müssen. Nur weil er einen Tag am Strand spazieren will?  Wo gehen die Familien die Jahr für Jahr auf den Inseln leben und arbeiten in ihrer Freizeit mit den Kindern hin?

Die Ostsee Inseln hatten den Ruf nach Urlaub in der Natur. Doch dieser Ruf wird nachhaltig von den Bürgermeistern, den Kreisverwaltungen, den Tourismusverbänden, Hotel und Ferienparkbetreibern zerstört.

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von Anders Noren.

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