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Dem Wahnsinn nah

Fangen wir mal ganz am Anfang an, ganz in Ruhe. Dienstag Abend, ich sitze am Rechner und betrachte die Bilder vom Kurzbesuch in der Heimat. Doch was ist das?  Auf allen Bildern sind komische Punkte zu sehen und ein merkwürdiger Streifen oben links.  Ich unterbreche die Bilderschau und nehme die Kamera in die Hand. Objektivdeckel ab und frei Hand schnell ein Bild von den Wolken gemacht. Kamera an den Rechner, Bilder übertragen nach sehen. OHHHH was für ein Schock . Dreck ohne Ende Dreck. Aber wo ist der drauf. Erster Verdacht , kann ja nur auf dem Objektiv sein. Also Pinselchen und Microfasertuch gesucht und schwubs das Objektiv geputzt. Vollkommen zufrieden mit meiner Arbeit. Kein Staubkörnchen mehr auf der Linse. Also schwubs ein Testfoto machen. SCHOCK. Der gleiche Dreck immer noch, kann doch nicht sein. Das gibt es doch gar nicht.

Kamera in die Hand, Reinigungsmodus im Menu gesucht. Und los geht es. Jetzt fällt der ganze Dreck runter und ich kann mich entspannt den abendlichen Fernsehprogramm zuwenden.

Testbild Nr.3 .. kann doch nicht wahr sein. Immer noch der gleiche Dreck. Nur das eine Härchen scheint gewandert zu sein. Okay. Das Reinigungsprogram schein es nicht zu bringen. Aber ich hab ja noch eine Dose Druckluft hier rumstehen. Damit hatte ich vor langer Zeit mal die Linsen gereinigt ohne das irgendwas schlimmes passiert war.  Zack zack Dose her, Linse von der Kamera. Manuelles Reinigungsprogram aktiviert, Spiegel klappt hoch, Sensor liegt frei.. es kann losgehen. Ein zwei kurze Druckluftstösse aus der Dose Richtung der Göttlichkeit (jedenfalls für die meisten Gläubigen). Und dann vorsichtig den Sensor abpusten. Doch die Götter haben sich gegen mich verschworen. In dem Moment wo das Röhrchen auf den Sensor zeigt. Der Vollständigkeit sollte hier erwähnt sein, das die Neigung der Dose max 15° betragen hat. Spuckt das Röhrchen doch kleine Kondenzwassertropfen aus. NEIN. Genau auf den Sensor.

Das darf doch alles nicht wahr sein.

Doch es ist wahr. Ein vorsichtiges Probebild offenbart die ganze Wahrheit. Das Bild sieht aus wie mit Hammerschlagfarbe gemalt. Ich bin geschockt, es ist Dienstag Abend kurz vor 19 Uhr. Der nächste Fotofachhändler mit guten Service ist 30 Autominuten entfernt. Und das bei Vollgas und Missachtung aller Verkehrsregeln. Vollkommen nervöse wähle ich die Nummer des örtlichen Fotodealers und frag vorsichtig nach einer Sensorreinigung. Ja kein Problem, das macht der Chef persönlich, kostet 39 Euro. Okay das geruhigt mich ein wenig. Wie lange dauert das so in etwa, frage ich erleichtert nach. 3 – 4 Tage. Wenn der Chef im Haus ist und Zeit hat. Geschockt falle ich in den Schreibtischstuhl.  Diese Woche wäre es gelaufen mit Fotos machen. Und morgen wollte ich doch auf Tour mit Stefan und am Wochenende ist ein Shooting angesagt. Mein kleine Fotowelt bricht in sich zusammen. Der Wahnsinn macht sich breit. Soll ich mit der kleinen Ixo auf Tour ? Leihkamera ? Termine absagen ? Selbstmord ? Hobby tauschen und Stricken lernen ?

Ich geh ins Bett. Die Nacht ist unruhig. Träume von hässlichen Bilder, wechseln sich ab mit Albträumen, das die Kamera kaputt ist.

Mittwoch morgen, ich komm kaum aus dem Bett. Völlig gerädert. Mir fällt die Kamera wieder ein. Unruhe macht sich breit. Egal , erst einmal das Tagesgeschäft. Ohne Moos bekanntlich nix los. Auf dem Weg zum Kunden, fällt mir ein Gespräch mit Stefan ein. Ein Fotohändler mit Filialen in Düsseldorf, Krefeld, Duisburg und Berlin mach Sensorreinigung für einen gut Preis und auch am gleichen Tag.

Zum Glück fahre ich in NRW rum und so ist der nächste Stau nicht weit und ich hab die Möglichkeit mal schnell per Handy im Netz zu surfen. HAHA Leute die schweineteure Firmenkiste hat ne Start-Stop-Automatik der Motor war aus.  Die Nummer von der nächsten Filiale in Dorf an der Düssel aufgeschrieben. Denn dummerweise war Stau ein zu kurz. Ja und wieder hatten die Götter kein einsehen mit mir. Bevor ich jemanden in dem Laden erreichen konnte war ich beim Kunden. Manchmal sind Öffnungszeiten doch was merkwürdiges. Also erstmal arbeiten. In einer kurzen Zigarettenpause schnell den Fotofachhändler angerufen. Ja wir reinigen Sensoren aber das muß 2 Tage vorher angemeldet werden. Die Serviceabteilung ist ausgelastet.

Dem Wahnsinn nah fassel ich irgendwas von Shooting was dann ausfällt, warum ich das den armen Kundenberater eigentlich erzähle. Das weiß ich nicht, geht dem ja nichts an und überhaupt. Sind ja nicht seine Probleme. Plötzlich höre ich seine Stimme, kommen sie rein wenn möglich bis 17 Uhr wir finden eine Lösung.

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Nettetal De Witt See — staubfrei

Ein Lichtschein am Horizont. Ich geb Gas, bei der Arbeit und später auf der Autobahn. Doch die anderen Verkehrsteilnehmer scheint das nicht zu stören, beziehungsweise sie stören meinen Vortrieb. Die Zeit auf den Navi klettert immer weiter hoch. 16:45h und noch keinen Parkplatz. Naja gibt ja Parkhäuser. Ich werde nervös und hektisch.

16:50 Uhr ich rausche in das Parkhaus. Wer zum Geier hat das entworfen. So eng so unübersichtlich so zeitraubend.  Panik

16:55 Uhr nachdem ich einen Parkplatz hab, okay ich bin mal für eine Stunde weiblich, aus und in dem Shopping Center sinnlose Runde gelaufen bin. Man könnte ja mal eine Tafel für die Orientierung gestresster Hobbyfotografen aufstellen. Steh ich im Laden. Alle Kundenberater belegt. Mein Plus steigt. Nebenan steht einer und verhandelt über den Preis einer 20.000 Euro Kamera und besteht auf 1.000 Euro Preisnachlaß. Ich möchte ihn schlagen, erschiessen, irgendwas mit ihm tun. Nur das er endlich den Verkäufer freigibt. Man Alter 1.000 Euro das darf nicht einmal meine Wunschkamera kosten. Und du willst das nur als Rabatt. Kann den mal jemand schlagen?

Nervös trommel ich den Todesmarsch auf die Glasplatte der Auslage 17:05 Uhr. Die nette Dame an der Kasse erkennt meine Notlage. Fragt wie sie mir helfen könnte. Ich küsse sie fast nachdem sie mir sagt im die Treppe hoch ist die Serviceabteilung.

17:06 Uhr ist steh am Tresen in vor den Serviceman und stammel völlig außer Puste mein Anliegen vor.  Er hätte keine Zeit für mein Anliegen. Meine Gesichtszüge entgleisen. Er könnte aber einen Expressservice anbieten. Kostet allerdings ein wenig Aufpreis. Mir ist es schon fast egal was es kostet. Und wenn ich mein Handy verkaufen muß, Hauptsache die Kamera geht heute Abend wieder. Wer braucht schon ein Smartphone, alles Mumpiz. Ich nicke stumm als Zeichen der Zustimmung. Okay. Er nimmt mein Baby und schaut sich den Sensor an. Ob wer den jemals wieder sauber bekommt, so wie der aussieht könnte es auch eine längere und umfangreichere Reparatur werden.

Meine Welt bricht zusammen, die Knie wackeln, die Stimme versagt. Doch Selbstmord? Na er schaut mal was er machen kann, ich könnte mich derweil in die Sitzecke setzen oder im Laden mich umsehen. Ich nicke und geh in den Laden. Mein Weg geht zu Gebrauchtabteilung. Gedanken rasen durch mein Hirn, wenn es überhaupt noch ein Hirn ist. Kamera kaputt ? Was nun? Gebrauchte kaufen? Das Geld dafür ist im Moment nicht vorhanden bzw für andere Sachen verplant. Ziellos, rastlos und hungrig lauf ich durch das Shoppingcenter. Lande bei einem Bäcker und kauf die Henkersmahlzeit in Form eines Brötchens.

20 Minuten später steh ich bei meinem Servicemann. Er lächelt und frag vorsichtig nach wie es aussieht. Er wäre zufrieden und drückt mir die Kamera in die Hand. Zusammen gehen wir zu Kasse. Der Preis ist trotz Express mal als okay. Ich zahle und danke Ihm noch einmal.

Parkschein bezahlt und im Auto sitzend fällt mir die Last der Welt von der Schulter. 2,80 Euro für 45 Minuten Parkzeit ist vollkommen egal. Mein Baby geht wieder. Die Fototour ist gerettet und das Shooting auch. Und irgendwie ist mir der Stau nach Hause egal.

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Staubfrei 🙂

Danke den Mitarbeitern von Foto-Leistenscheider in Düsseldorf. Ich gelobe Besserung, ihr dürft meine Kamera ab nun immer putzen. Ich versuch es nicht mehr selbst.

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3 Kommentare zu „Dem Wahnsinn nah

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von Anders Noren.

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